Wer in den letzten Monaten die Zeitung aufschlug, kam an der Kirche in Elmshorn kaum vorbei. Ob Berichte über den Turm von St. Nikolai oder Diskussionen um mögliche Kirchenschließungen – die Themen sorgten für Schlagzeilen und Gesprächsstoff weit über die Gemeinden hinaus. Dahinter steht ein größerer Prozess: Die Zukunft der Kirchenlandschaft in Elmshorn wird gerade neu verhandelt.
Fusion in zwei Teilen
Die ursprünglich für 2027 geplante Fusion von St. Nikolai, Frieden und Emmaus hat gezeigt, wie unterschiedlich Gemeinden mit Veränderungen umgehen. Während St. Nikolai und Frieden ihr Zusammengehen auf 2026 vorverlegen, war eine Fusion zu diesem Termin für die Emmausgemeinde nicht vorstellbar. „Es gab für uns noch zu viele offene Fragen, etwa zu Finanzen, Organisation und künftigen Strukturen“, sagt Johannigmann. Für ihre Gemeinde gilt: Zeit nehmen, um gründlich zu prüfen.
Zusammenarbeit schon heute
In manchen Bereichen funktioniert die Kooperation zwischen den Gemeinden bereits reibungslos. So arbeiten St. Nikolai, Frieden, Bugenhagen (Klein Nordende) und Emmaus in der Jugendarbeit eng zusammen. Konfirmandenwochenenden, Jugendgottesdienste und Gruppenangebote werden gemeinsam geplant und durchgeführt.
Neue Lösung für die Stiftskirche
Schon länger hat die Emmausgemeinde nach einer tragfähigen Lösung für die Stiftskirche gesucht. Angesichts abnehmender Ressourcen war klar: Die Gemeinde kann auf Dauer nicht alle Gebäude erhalten. Weder die Suche nach Investoren noch der Versuch, durch Vermietung Kosten zu decken, führte zum Erfolg. Inzwischen hat sich jedoch eine neue Möglichkeit eröffnet. Der Elmshorner Kirchengemeindeverband (KGV) bekundete Interesse, im Gemeindehaus an der Stiftskirche einen Teil des Friedhofsbüros unterzubringen. Denn ihre Räumlichkeiten auf dem Friedhof reichen nicht mehr aus. Nach Abstimmung mit den beteiligten Gemeinden wurde folgende Lösung entwickelt:
- Die Emmausgemeinde überlässt das gesamte Ensemble gegen einen Betrag, der die bestehenden Renovierungsrücklagen abdeckt, an den KGV.
- Die Kirche bleibt für die Emmausgemeinde nutzbar: Für Gottesdienste und Konzerte wird künftig eine Nutzungsgebühr gezahlt.
- Darüber hinaus kann der KGV die Stiftskirche an weitere Interessierte vermieten.
- Das Gemeindehaus wird künftig als Verwaltungsgebäude für den Friedhof genutzt.
- Im Gegenzug übernimmt der KGV alle laufenden Kosten – eine erhebliche Entlastung für den Haushalt der Emmausgemeinde.
- Für die Gruppen, die bisher die Räume genutzt haben, konnten bereits alternative Lösungen gefunden werden.
So entsteht eine Win-Win-Situation: Die Gemeinde bleibt in ihrer Kirche präsent, gleichzeitig wird die finanzielle Last deutlich reduziert. Der Friedhof hingegen profitiert davon, dass vorhandene Gebäude genutzt werden können, statt wesentlich kostenträchtiger auf dem Friedhof neu zu bauen.
Pastorin Johannigmann: Kirche hat Zukunft!
Die Veränderungen erzeugen bei vielen treuen Aktiven der Gemeinde neben Verständnis auch Unbehagen und Traurigkeit. Pastorin Johannigmann betont, dass das auch sein darf und zeigt gleichzeitig eine Perspektive auf. “Andererseits zeigt die Kirchengeschichte, dass es immer Veränderungen gegeben hat. Fast alle der Elmshorner Kirchengebäude sind ja erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Zuvor gab es nur die Kirche St. Nikolai und die Stiftskirche”, berichtet sie im Gemeindebrief. “So müssen und können wir heute auch ganz neu fragen: Was ist eigentlich unser Glaube? Was braucht er wirklich? Die Antwort ist für mich schlicht: Vor allem Gott – und Menschen, die zu ihm beten, und die dann ihren Ort finden. Manchmal ganz anders als gedacht.”

