Im Gottesdienst zur Verleihung des Ansgarkreuzes am 25. Januar in der Ev.-Luth. Thomas-Kirchengemeinde Edendorf nahm Propst Steffen Paar die Gemeinde mit an den Jakobsbrunnen aus dem Johannesevangelium. In der Bibelstelle aus dem Neuen Testament (Johannes 4) spricht Jesus eine Samariterin an und überschreitet damit soziale und religiöse Grenzen. Entscheidend war Paars Blick auf ein hebräisches Wortspiel: „Quelle“ und „Auge“ sind dasselbe Wort.
„Wer sich an den Brunnen setzt, lernt zu sehen, den eigenen Durst, die Würde des Andern und sich selbst im Licht Gottes“, so Propst Paar.
Aus dieser Haltung heraus bezeichnete der Propst Renate Wilms‑Marzisch und Uwe Wilms als Brunnenwegweiser: nicht, weil sie Wasser verteilen, sondern weil sie Menschen Blicke der Anerkennung schenken. Weil sie Räume schaffen, in denen Fremde sich nicht zuerst erklären, sondern gesehen fühlen.
Der Gottesdienst folgte diesem Motiv: Renate Wilms‑Marzisch las die Brunnen-Erzählung in drei szenischen Teilen; dazwischen standen Paars Auslegungen und die drei Strophen des Liedes „Ins Wasser fällt ein Stein“.
Arne Findeisen, Pastor in der Thomas-Kirchengemeinde und dem dazugehörigen Pfarrsprengel, widmete den beiden ein eigens gedichtetes Lied; dessen Refrain fasste die Stimmung des Tages zusammen:
„Ihr seid ein Zweierteam: Renate, Uwe – ein Gewinn. Setzt eure Kräfte frei, dass Nächstenliebe sei.“
Der Gottesdienst berührte viele Sinne und machte die Kernbotschaft spürbar: Begegnung ist heilsam und das Fremde bereichert.
Seit Jahren leben Renate Wilms-Marzisch und Uwe Wilms diese Haltung. Mehr als drei Jahrzehnte engagierte sich Wilms-Marzisch im Kirchengemeinderat; hinzu kommt - gemeinsam mit ihrem Mann - das Engagement für Geflüchtete: Deutschkurse, Alphabetisierung und Begleitung im Alltag. Viele nennen sie liebevoll „Oma und Opa“. Das drückt das tiefe Vertrauen aus.
Dem Ehepaar war es aber auch wichtig zu betonen, dass hinter ihnen ein ganzes Team steht. Alleine hätten sie das nicht geschafft. Und auch ihre Familie, die Kinder und Enkelkinder, tragen viel mit.
Mitmachen erwünscht
Am Ende bat Renate Wilms-Marzisch noch um Mithilfe. Die kostenlosen Deutschkurse finden dreimal pro Woche statt – in der Thomas-Kirchengemeinde Itzehoe (Albert-Schweitzer-Ring 28) montags, mittwochs und donnerstags von 17 bis 18:30 Uhr. Alle, die Deutsch lehren und lernen wollen, sind herzlich willkommen. „Man muss sich nicht dauerhaft binden - schon ein einziges Mitwirken hilft.“

