Rolf Schlotter (von links), Anna Weiß und Matthäus Weiß vom Verband der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein. Lux

Sinti und Roma: Was wir zu wissen glauben

Natalie Lux

Antiziganismus ist kein Thema von gestern. Die neue Wanderausstellung „Der lange Weg“ zeigt, wie alte Bilder wirken. Und wie Menschen in Schleswig-Holstein sie verändern. Eine Einladung, hinzusehen, zuzuhören und eigene Routinen zu hinterfragen. Bis 28. Oktober zu sehen im Kirchlichen Zentrum Elmshorn.

Die Ausstellung „Der lange Weg – Aus Vergangenheit lernen – Zukunft gestalten“ macht sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: Wie Bilder über Sinti und Roma entstehen, wie sie sich über Jahrhunderte halten – und wie Menschen in Schleswig-Holstein ihnen widersprochen haben.

Rolf Ulrich Schlotter, stellvertretender Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Schleswig‑Holstein, setzt mit seinem Vortrag zur Vernissage genau dort an. Er zeigt, dass Antiziganismus kein rein historisches Kapitel ist, sondern ein System aus Routinen, Zuschreibungen und vermeintlichem Wissen. Vieles davon passiert leise: in Aktenvermerken, in Schulgesprächen, in Medienformulierungen. Und wirkt teilweise bis heute. 

Gleichzeitig erzählt die Ausstellung eine andere Geschichte: die von Selbstbehauptung, Kultur, Familien, politischer Arbeit und einer Bürgerrechtsbewegung, die in Schleswig-Holstein Türen geöffnet hat. Menschen wie Matthäus und Anna Weiß haben dafür gesorgt, dass Sinti und Roma heute als nationale Minderheit anerkannt sind und zwar als Teil der Landesverfassung.

In ihrer Begrüßung hat auch unsere Synodenpräses Beate Raudies, selbst Mitglied des Landtags, einen Punkt auf den Tisch gelegt: In Schleswig-Holstein sind Sinti und Roma verfassungsrechtlich als nationale Minderheit anerkannt – so wie die Dänen und die Friesen. Das ist ein klarer Auftrag: Diese Minderheit gehört offiziell zu diesem Land, und ihre Perspektive muss sichtbar bleiben.

Die Ausstellung „Der lange Weg“ richtet sich an alle, die wissen wollen, wie Vorurteile entstehen, wie sie sich in Strukturen festsetzen – und wie man sie durchbricht. Die Ausstellung zeigt zum einen die Vergangenheit. Und sie zeigt, was heute zählt: zuhören, Routinen prüfen, Verantwortung übernehmen. Se macht klar, dass Zugehörigkeit kein Geschenk ist, sondern ein Recht.

Für Schulen, Verwaltungen, Medien und alle, die mit Menschen arbeiten, ist diese Ausstellung ein Reality-Check: Welche Bilder trage ich selbst mit mir herum? Und woher stammen sie eigentlich? Der Verband bietet auf Anfrage Führungen und Gespräche mit Menschen aus der Community, auch jungen Sinti und Roma, an. Kontakt über den Kirchenkreis: 

Agate Trumpekoja

Propstensekretariat
Montag bis Freitag 9-14 Uhr

04121 26256-80
Propstensekretariat@kk-rm.de

Im Anhang finden Sie die Rede von Rolf Schlotter im Wortlaut.

Veröffentlicht am Di. 06.10.2026