Baustelle in der Erde
Bauarbeiter stießen am Mittwochmorgen auf menschliche Überreste.

Bauarbeiter stoßen auf menschliche Gebeine bei St. Nikolai

Natalie Lux

Zwischen Kirche und Diakonie, in Elmshorns Fußgängerzone, kam es am Mittwoch, 24. September, zu einem besonderen Fund. In etwa zwei Metern Tiefe stießen Bauarbeiter auf menschliche Überreste – darunter auch einen Schädel.

Zunächst mag ein solcher Anblick überraschend wirken. Doch bei näherem Hinsehen wurde deutlich: Es handelt sich nicht um ein Rätsel der Gegenwart, sondern um eine Erinnerung an die Vergangenheit. Denn die Fundstelle liegt direkt neben der historischen St.-Nikolai-Kirche. Über viele Jahrhunderte war es üblich, die Toten auf einem Kirchhof unmittelbar bei der Kirche zu bestatten. Sehr wahrscheinlich stammen die Knochen von diesem alten Friedhof, der längst nicht mehr existiert.

Die hinzugezogene Gerichtsmedizin konnte den Fall rasch einordnen und schloss die Untersuchung ab. Doch ehe die Gebeine erneut der Erde übergeben werden, wandte man sich an die Kirche. Propst Thielko Stadtland, der gerade im benachbarten Kirchlichen Zentrum saß, entschied, dass die Knochen an Ort und Stelle in würdigem Rahmen einen Meter tiefer beigesetzt werden – so, wie es auch auf heutigen Friedhöfen geschieht, wenn alte Gräber eingeebnet werden.

Rosmarie Lehmann vom Kirchengemeinderat erinnert daran, dass der Kirchhof bereits beim Bau des Turms im Jahr 1881 nicht mehr genutzt wurde. Schon damals hatte man die Begräbnisstätte an die Feldstraße verlegt, ehe sie schließlich an die Friedensallee umzog – dorthin, wo bis heute der Friedhof der St.-Nikolai-Gemeinde liegt.

So erzählt dieser unerwartete Fund mitten in der Stadt ein Stück Geschichte: von der langen Tradition der Kirche, vom Wandel der Friedhofskultur – und von dem Respekt, den die Lebenden den Toten bis heute entgegenbringen.

Veröffentlicht am Do. 25.09.2025