Musiker und Kulturreferent Frank Ramson sitzt vor der Nikolai-Kirche Elmshorn
Musiker und Kulturreferent Frank Ramson vor der Nikolai-Kirche Elmshorn

Ein Krimi, eine Wette, ein Wiedereintritt

Lisa Scheide

Wie es während der ökumenischen Woche zu einem Wiedereintritt in die Evangelisch-Lutherische Kirche gekommen ist und was das mit Gottesspuren zu tun hat.

Kulturreferent und Musiker, Frank Ramson, trifft auf den evangelischen Ökumenepastor Dirk Fanslau. Ende Mai stellt Ramson seinen Roman "Ausnahmemensch" auf der ökumenischen Woche in Elmshorn vor. Fanslau ist sich sicher, in dem weltlichen Krimi Spuren der Gottesfrage zu finden. Die Wette gilt. Wetteinsatz Ramson: Wiedereintritt in die Ev.-Luth. Kirchengemeinschaft. Wetteinsatz Fanslau: Songtext schreiben für Ramsons Band "Hanna tanzt". Die Band hatte der Musiker im Zusammenhang mit dem Roman gegründet. Inzwischen hat die Ev.-Luth. Nikolai Kirchengemeinde Elmshorn ein neues Mitglied. 

War dieser Wetteinsatz ein Spiel für dich?

Frank Ramson: Nein, das war kein Spiel. Die Sache war absolut ernst gemeint und wirkte vielleicht bei der Veranstaltung spontaner, als es tatsächlich war. 
 

Wie war es denn?

Frank Ramson: Das Suchen nach den Spuren der Gottesfrage in meinem Roman und die Wette hat sich aus den Vorgesprächen entwickelt. Manchmal braucht es einen Anstoß, um tätig zu werden.
Die Begegnung mit Dirk Fanslau und unser schöner Austausch gab mir diesen Anstoß. Yeah. 

Und wieviel von Gott steckt in deinem Roman "Ausnahmemensch"?

Frank Ramson: Die Gottesspuren in den Figuren und deren Denken und Handeln sind sehr unterschiedlich verpackt. Man kann tatsächlich in allen zentralen Figuren diese Gottesspuren finden, auf die eine oder andere Art und Weise. Bei der positiv eingestellten Ermittlerin, die ein gutes Ende für ihre Geschichte herbeiführen will ... 

Dirk Fanslau: Es gibt eine Stelle im Buch, da dachte ich: Hier kommen wir an eine religiöse Grenze. Das Leben der Ermittlerin ist bedroht und sie stellt sich Sinnfragen. War das jetzt alles? War das genug? 
Habe ich richtig gelebt? Für mich als Pastor steckt die Gottesfrage dahinter, auch wenn sie so nicht ausgesprochen wird.

Frank Ramson: Ja, und dann gibt es noch den Gangster Henrik, der auf spöttische Art und Weise mit religiösen Begriffen hantiert.

Dirk Fanslau: 
Er glaubt nicht an Gott, aber in seiner Abwehr und Negation ist er irgendwie religiös.  

Wie wichtig Glaubensgemeinschaften sind

Was hat die Band “Hannah tanzt” dazu gesagt? 
So ein Wetteinsatz ist ja schon überraschend. Zahlreiche Menschen treten aus der Kirche aus, weil sie den Bezug verloren haben. Und du trittst ein.

Frank Ramson: Es kam tatsächlich die Nachfrage, was mich zum Wiedereintritt bewogen hat. Ich habe erklärt, dass die Wertevermittlung durch die Kirche, die Bezüge, die Menschen zur Kirche und zu der Glaubensgemeinschaft haben, wertvoll sind.
Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Menschen aus der Kirche austreten, ist es umso wichtiger, die Möglichkeit zu erhalten, sich in einer Wertegemeinschaft weiterhin gut aufgehoben und geborgen zu fühlen. 

Das heißt, du suchst den Zusammenhalt? 

Frank Ramson: Ich verspüre heute, im Gegensatz zu früher, viel stärker den Wunsch, dazuzugehören, zu dieser Gemeinschaft von Menschen, die sich für Werte einsetzt und viele gute, positive Themen gemeinsam bewegt. Der Mensch braucht eine Richtung, gewisse Grundfeste, an denen er sich orientiert. Und christliche Werte waren für mich immer eine Orientierung, die mich in meinem Leben angeleitet und geführt haben. Beispielsweise die zehn Gebote.

Du hast auch früher schon über einen Wiedereintritt nachgedacht...
 

Frank Ramson: Auf jeden Fall. Die Wertefrage war für mich immer eindeutig:
Ich zähle mich dazu und vertrete die Werte, die die Evangelische Kirche vertritt. Aber wenn es um das Beten oder um das Gottesbild geht, habe ich mich immer gefragt, bin ich hier wirklich richtig? Soll ich jetzt so lange vor die Tür gehen?
Da geht bei mir im Kopf oder im Herzen nichts auf. 

Ein Glaube so klein wie ein Senfkorn

Dirk Fanslau: Das war ein interessanter Moment in unseren Vorgesprächen. Dich hat beschäftigt, wieviel du an Gott glauben musst, um zur Kirche zu gehören.
Das ist eine spannende Frage. Ist Glaube eine Leistung? Kann man das überhaupt messen? Mir fallen dazu die Worte von Jesus ein: Ein Glaube so klein wie ein Senfkorn, wäre schon genug. Jesus hat dauernd mit Zweiflern und Leuten, die es verbockt haben, zusammengearbeitet. Mein Glaube ist, dass Gott darum weiß, dass wir alle unterschiedlich gestrickt sind. Er sitzt nicht da und macht den Daumen hoch oder Daumen runter. 
   

Und was bedeutet dir die Kirche im Allgemeinen? 
 

Frank Ramson: Meine Mutter ist evangelisches Kirchenmitglied, ich bin getauft und konfirmiert.
Im christlichen Glauben, in der Kirche gibt es Themen oder Bezüge, die mein Leben bereichern. Und ich denke, dass gute Werte für eine Gesellschaft unglaublich wertvoll sind und ihre Stabilität gewährleisten. Vor allem, weil sie heute zerfahrener, bindungsloser und orientierungsloser wirkt.

Und im Speziellen? 

Ich habe neulich bei einer Busfahrt die Vikarin der Thomaskirche kennengelernt. Das war unglaublich nett, witzig. Wenn ich im Austausch bin mit bestimmten Personen, fällt mir auf, wie toll das ist, was die Kirche leistet und was für tolle Menschen dort aktiv sind.
 

Veröffentlicht am Mi. 05.08.2026