„Der Schnee ist zu spät gekommen“, sagte mein Nachbar, als wir uns beim Schippen trafen. Er hätte sich weiße Weihnachten gewünscht, und mit diesem Wunsch steht er sicher nicht allein da. Das Wintermärchen dieser Woche hat alle verzaubert, die im Liether Wald gerodelt oder in Sibirien spazieren gegangen sind. Und dieser Zauber hätte das Weihnachtsfest nur umso schöner werden lassen. Aber es sind weiße Weihnachten, die uns der liebe Gott beschert hat! Denn am 6. Januar erst, also mit Epiphanias oder dem Tag der heiligen drei Könige, endet die Weihnachtszeit. In vielen Ländern Europas werden darum am 6. Januar die Geschenke ausgetauscht, es gibt Weihnachtstraditionen, die erst dann zelebriert werden und auch der Weihnachtsbaum erstrahlt nochmal im vollen Lichterglanz.
Unser deutsches Lebensgefühl ist ein anderes, für uns fühlt es sich an, als sei Weihnachten mit dem Beginn eines neuen Jahres zu Ende. Aber vielleicht kann uns der Blick über den Tellerrand helfen, das Weihnachtswunder selbst in unseren Herzen und Gedanken zu bewahren. Denn Weihnachten will nicht nur drei Tage lang dauern, sondern Weihnachten ist Gottes Geschenk für das ganze Jahr. Weihnachten schenkt uns die Hoffnung, dass es Frieden auf Erden geben kann, wenn wir es wirklich wollen. In dieser Hoffnung geben wir unsere Welt trotz aller Grausamkeiten nicht auf, weil Gott sie ebenso wenig aufgegeben hat. Vom Himmel herab hat Gott sich an uns verschenkt. In einem Kind, einem so friedlichen Geschöpf, dass es uns zum Staunen bringt. In einem Kind, das uns innehalten lässt, das uns weihnachtlich verändern und zur gegenseitigen Liebe befreien kann. Der Schnee, der ebenso vom Himmel fällt und uns verzaubern kann, mag dafür ein Zeichen sein!
Pastorin Antje Stümke, Kirchengemeinde Barmstedt

