Mein Kollege Frank Petrusch und ich waren mit unseren Konfis vor etlichen Jahren im Kino. Wir fuhren mit der AKN nach Hamburg und das war schon ein Spaß für sich: Ungefähr 30 Konfis, quicklebendig und neugierig auf den Lutherfilm, der in vielen Kinos gezeigt wurde.
Ein Satz ist mir aus dem Film besonders unter die Haut gegangen: „Martin, du musst lernen das Gute mehr zu lieben als das Böse zu hassen.“ Diese Worte sagte Martin Luthers Seelsorger, Johann von Staupitz in einer dramatischen Situation zu seinem Schützling. Martin Luther wurde einfühlsam und engagiert unterstützt von diesem Theologen. Der war Professor und erster Dekan der theologischen Fakultät an der neuen Universität in Wittenberg.
Es scheint, als könne von Staupitz ins Herz Luthers blicken und erkennen, wie es um Martin steht und wie er es schaffen kann, seiner Zerrissenheit zu entkommen und Licht in die Seele zu lassen. Zu Luthers Zeit fragten sich viele Menschen, wie der Himmel in seiner Herrlichkeit für sie spürbar werden kann angesichts der zahlreichen Bedrohungen, politisch wie auch im eigenen Herzen. Sünde und Schuld wurden immer wieder angeprangert, das jüngste Gericht, wo Gott die Welt richten wird ein äußerst beliebtes Predigtthema. Damit ließ sich auch gut Geld verdienen durch den Handel mit Vergebungsscheinen, den sogenannten Ablassbriefen. Ja, schon damals wurde eingeschüchtert und mit der Angst Geld generiert.
Von Staupitz half Luther zu einem Perspektiv-Wechsel. Er öffnete ihm durch seine Worte und sein eigenes verständnisvolles Handeln den Blick für Gottes Liebe. „Nicht Gott zürnt dir, du zürnst dir!“ heißt es im Lutherfilm. Versöhnte Menschen leben anders. Eben nicht verfolgend oder einschüchternd. Sie suchen nach dem Guten, nach Lösungen für Konflikte und Probleme. Gott möchte durch uns das Gute und Befreiende voran bringen.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Feiern dieser wunderbaren Reformation, die lehrt, das Gute zu lieben.
Pastorin Sylvia Zwierlein
Hier lesen Sie weitere Worte zum Sonntag aus unserem Kirchenkreis.

