Die Sonne geht spät auf und bald wieder unter. Der Herbst ist gerade noch da. Der Winter ist schon in Sicht. Irgendwie befindet man sich zwischen den Zeiten. Und so ist es kein Zufall, dass in diese Stimmung hinein ein besonderer Tag fällt – der Totensonntag.
An ihm erinnern wir uns an all jene, die gestorben sind. Wir zünden Kerzen an und nennen ihre Namen. Für Trauernde ist dies ein schwerer Tag. Denn alles, was mit dem letzten Abschied verbunden ist, kommt noch einmal besonders nahe. Mag die Trauer auch nicht mehr wie eine offene Wunde sein, so ist die Narbe noch spürbar. Und nicht immer ist dem ersten Erschrecken ein dankbares Erinnern gewichen. Oft genug braucht es lange, um den erlittenen Verlust zu akzeptieren und ins Leben einzubauen. Nicht immer wird dies von allen akzeptiert. Manchmal heißt es auch, es könne doch jetzt gut sein und man solle sich nicht so hängen lassen. Doch bedarf es diesen schmerzhaften Weg durch die Trauer, um sich dem Leben wieder zuwenden zu können.
Dabei helfen können Menschen, die einen begleiten; Worte, die trösten – so wie jenes des Propheten Jesaja: „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind“; oder auch Tage wie den Totensonntag, die der Trauer einen Raum und ihre Zeit gibt.
Pastor Thomas Johannsen, Kirchengemeinden Lägerdorf und Neuenbrook

