Lass dich überraschen!

Heiko Kiehn, Katholische Pfarrei Heiliger St. Martin

Mit dem Aschermittwoch hat in dieser Woche die Fastenzeit, die Vorbereitung auf Ostern begonnen.

Fastenzeit. Das mag in manchen unserer Ohren zunächst vielleicht negativ klingen, denn viele Menschen verbinden mit der Fastenzeit ja ganz klar einen Verzicht: keine Süßigkeiten, kein Alkohol, weniger Bildschirmzeit. Doch Fasten ist mehr als ein religiöses Pflichtprogramm. Es ist vielmehr eine Einladung, die erstaunliche Freude am Weniger zu entdecken.
Wir leben in einer Zeit der Fülle – und oft auch der Überfülle. Termine drängen, Nachrichten rauschen, Wünsche wachsen schneller als ihre Erfüllung. Fasten setzt hier einen bewussten Kontrapunkt. Wer etwas weglässt, schafft Raum. Raum zum Atmen. Raum zum Nachdenken. Raum für Begegnung.
Dabei geht es nicht um Selbstoptimierung oder moralischen Druck, sondern es geht um Freiheit. Wenn ich freiwillig verzichte, dann kann ich die Erfahrung machen: Ich werde nicht ärmer, sondern wacher. Der Geschmack eines einfachen Essens wird intensiver. Ein Gespräch ohne ständigen Blick aufs Handy wird tiefer. Ein stiller Moment bekommt Gewicht.
Die christliche Tradition spricht davon, sich neu auf das Wesentliche auszurichten: auf Gott, auf den Mitmenschen, auf das eigene Herz. Und selbst, wem der christliche Glaube eher fremd ist, kann diese Wochen auch als eine Einladung zu einem Experiment verstehen: Was brauche ich wirklich? Was trägt mich?
Vielleicht liegt im Weniger eine unerwartete Freude – die Freude, wieder bei sich selbst anzukommen! 

Heiko Kiehn, Katholische Pfarrei Heiliger St. Martin

Veröffentlicht am Fr. 20.02.2026