Ist Weihnachten erledigt?

Gritta Koetzold, Pastorin der Kirchengemeinde Stellau

Die Botschaft der Friedenslichtkerze

In den ersten Januartagen muss ich die Kerze ersetzen, auf der das Friedenslicht von Bethlehem brennt. Ich hole die neue Kerze und stutze: Sie ist in der Mitte gebrochen. Vermutlich hat sie irgendwann einen Stoß bekommen. Ich habe das Licht von Bethlehem gern über den Dreikönigstag hinaus bei mir brennen. Denn Unterwegsein, Ausgeliefert sein, Gott bei denen am Rand, Frieden auf Erden: All das wird auch in diesem Jahr ein Thema sein. 

Möchte ich eine gebrochene Kerze noch aufstellen? Ich denke kurz darüber nach, sie zu entsorgen. Doch dann übertrage ich die Flamme von der alten Kerze auf die neue. Und die zerbrochene Kerze wird mir zum Bild. Auch das neue Jahr, noch keine drei Wochen alt, sieht schon ziemlich alt aus. Die Meldungen aus der Schweiz, den USA, dem Iran: Ist die Botschaft von Weihnachten damit erledigt? 

Nein. Gerade da, wo Leben von Unfrieden und Sinnlosigkeit bedroht ist, brauchen wir die Botschaft: Gott erscheint. In Jesus Christus gesellt er sich zu uns mit unseren Dunkelheiten. Denn auch er wird Dunkles erleben: Ungerechtigkeit, Gewalt, Verrat - und das Kreuz. Wie ein roter Faden zieht sich durch diese Geschichten der Schrei, die Hoffnung, die Gewissheit: Du bist doch unter uns, Herr! Verlass uns nicht! Als die Flamme die Bruchstelle meiner neuen Kerze erreicht, löst sich der obere Wachsrand und fällt beiseite. Die Kerze pflegt sich sozusagen von selbst. So erzählt sie davon, wie aus einer Beschädigung eine gute Botschaft werden kann. 

Gritta Koetzold, Pastorin der Kirchengemeinde Stellau - Wrist

Veröffentlicht am Fr. 16.01.2026