Illustration: Drei Schüler stehen mit Tasche und Bleistift

Zukunft Konfirmandenunterricht – eine Frage des Modells?

Natalie Lux

Zwei Jahre Konfirmandenunterricht. Jede Woche 45 Minuten am Nachmittag. Glaubensbekenntnis, Vater Unser, Psalm 23. Nach zwei Jahren wird das Gelernte abgefragt und dann winkt in der Kirche die Konfirmation. Segen, Familie und Geschenke.

So, wie es viele Menschen im Alter 30 plus noch kennen, läuft der Konfirmandenunterricht schon lange nicht mehr.

Die Kirchengemeinden sind mit viel Mühe und Kreativität dabei, die religiöse Bildung so zu gestalten, dass es sowohl zeitlich als auch inhaltlich zur heutigen Situation in den Familien und der Gesellschaft passt.

So jonglierte Pastorin Gritta Koetzold aus der Kirchengemeinde Stellau jahrelang mit Terminen von bis zu zwölf weiterführenden Schulen, von denen ihre Schüler:innen in die Kirche kommen sollten. 16 Uhr war für den einen zu früh, 17 Uhr für die anderen zu spät. Einen Platz zwischen Unterricht, Hobbys und Terminen in der Familie zu bekommen – ein Ding der Unmöglichkeit. „Also haben wir vor 12 Jahren das ganze System umgestellt“, berichtet die Pastorin. KU4 und KU8 nennt sich ihr Unterrichtsmodell. Als Viertklässler kommen ihre Schüler:innen – in der Regel 12 bis 16 Mädchen und Jungen – zum ersten Mal für ein Jahr ins Pastorat am Stellauer Kirchenweg. Und da besuchen die allermeisten zu einer einzigen örtlichen Grundschule. „Der Unterricht findet einen Freitag im Monat am Nachmittag statt. Das kann ich mit der Schule und den Eltern gut abstimmen“, sagt Gritta Koetzold.

Interessierte Eltern haben Gelegenheit mitzuwirken. Ob es beim Vorbereiten von Snacks ist oder als Zweitlehrer. „Nur das eigene Kind sollte dann nicht in der Gruppe sein, denn hier brauchen die Jugendlichen auch ihren eigenen Raum“, betont Koetzold. Denn es geht heute nicht mehr rein um Bibelkunde und das Auswendiglernen von Psalmen oder Gebeten. Die Teenager arbeiten thematisch, beziehen ihre eigenen Gedanken und ihr Erleben mit ein. Und lernen die kirchlichen Räume kennen. Neben der Kirche zum Beispiel den Friedhof.

Ein Wiedersehen mit ihren Schützlingen hat Pastorin Koetzold dann in der 8. Klasse. Denn dann folgt ein Jahr KU8. „Und zwar nutzen wir fast ein volles Schuljahr, damit es nicht zu Terminverschiebungen kommt“, sagt die Pastorin, die dann sehr spät – im Juli – konfirmiert. „Wir werden  bei dem Modell bleiben und sind sehr zufrieden“, resümiert, die Theologin. Es gebe auf diese Weise nur wenig Terminschwierigkeiten und die meisten Achtklässler:innen knüpfen gern an das Gelernte an. „Manchmal müssen wir etwas freikratzen, aber insgesamt ist der Unterricht sehr nachhaltig“. Was sie persönlich sehr freue: „Es gelingt, auch Kinder mit Behinderung, zum Beispiel mit Autismus, einzubeziehen.“

Veröffentlicht am Mo. 13.05.2024