Ein Augenblick zwischen Vergangenheit und Zukunft
Es gibt Momente, in denen Gegenwart und Zukunft einander begegnen. Ein solcher Moment war die feierliche Andacht in der St.-Nikolai-Kirche am Mittwoch, 26. August: Auf dem Altar lagen die Erinnerungen, die unsere Zeit eines Tages für die Menschen von morgen erzählen sollen.
Die kürzlich bei der Sanierung des Kirchturms wiederentdeckte und geöffnete Zeitkapsel wurde neu befüllt und feierlich präsentiert. Unter den Beigaben befinden sich Euromünzen und Euroscheine, eine Ausgabe der Holsteiner Allgemeinen sowie ein Brief von Dr. Klaus Pannen, den Elmshorns Ehrenbürger selbst während der Andacht verlas.
Noch ist die Reise der Zeitkapsel allerdings nicht beendet.
Vom Altar nach Hamburg – und zurück in den Turm
Bevor die Zeitkapseln wieder in die goldenen Turmkugeln eingesetzt werden können, steht noch ein wichtiger Schritt bevor: Sie werden zur fachgerechten, luftdichten Versiegelung an einen spezialisierten Fachbetrieb in Hamburg gebracht. Erst wenn diese Arbeit abgeschlossen ist, kehren sie nach St. Nikolai zurück.
Dann werden die Kapseln in die goldenen Kugeln eingesetzt und wieder hoch oben im Kirchturm ihren Platz finden – geschützt vor Wind und Wetter und mit der Hoffnung, dass sie eines Tages von Menschen geöffnet werden, die heute noch gar nicht geboren sind.
Erinnerungen für Menschen, die wir nie kennenlernen werden
Durch die Andacht führte Pastorin Antje Eddelbüttel. In ihrer Gestaltung wurde spürbar, dass es bei diesem Ereignis um weit mehr ging als um das sichere Verpacken einiger Gegenstände. Eine Zeitkapsel bewahrt nicht einfach Dinge. Sie bewahrt eine Momentaufnahme unseres Lebens. Die Kirchengemeinderäte Rosmarie Lehmann und Thomas Hausmann, ein beteiligter Handwerker, der Hamburger Traditionsbetrieb, der die Kapsel zuvor geöffnet hatte, und Jan-Henrik Frank, Redakteur der Holsteiner Allgemeinen, gaben zeittypische Gegenstände für die Kapsel mit. So entstand Stück für Stück ein kleines Archiv unserer Gegenwart.
Ein Brief an die Zukunft
Eine besondere Bedeutung hat der Brief von Dr. Klaus Pannen, Ehrenbürger der Stadt Elmshorn und Förderer der Nikolaigemeinde. Unter der Überschrift „Gruß an die Menschen der Zukunft“ trug er ihn bei der Andacht selbst vor, bevor der Brief anschließend seinen Platz in der Zeitkapsel fand. Pannen wurde in St. Nikolai getauft und konfirmiert, heiratete dort und ließ auch seine drei Kinder in Elmshorns Wahrzeichen taufen und konfirmieren. Dass es finanziell möglich ist, den Turm von St. Nikolai zu sanieren, liegt ihm besonders am Herzen.
„Der Turm weist nach oben, zum Himmel und zu Gott. Auf dem Boden unserer Heimat, mitten unter den Menschen.“
Vielleicht, so schreibt Pannen, „wird Elmshorn eine andere Stadt sein, als wir sie heute kennen“. Doch er verbindet damit die Hoffnung, dass der Turm auch dann noch steht. An die Menschen, die diese Kugel eines Tages in den Händen halten werden, richtet er deshalb einen eindringlichen Wunsch:
„Bewahrt, was Euch wertvoll ist. Verändert, was verändert werden muss. Und baut weiter an einer Stadt, in der Menschen gut miteinander leben können.“
Es sind Worte, die weit über den Augenblick ihrer Entstehung hinausweisen. Denn genau darin liegt die besondere Kraft einer Zeitkapsel: Menschen, die einander niemals begegnen werden, können miteinander in Verbindung treten.
Bewahren, was heute selbstverständlich ist
Mit großer Sorgfalt wurden die Beiträge für ihren langen Weg vorbereitet. Die Gegenstände wurden geprüft, verpackt und für die Versiegelung vorbereitet. Nun übernimmt der Fachbetrieb in Hamburg den nächsten, entscheidenden Schritt. Erst danach wird die Zeitkapsel wieder in die Turmkugel eingesetzt.
Vielleicht wird sie in einigen Jahrzehnten geöffnet. Vielleicht vergehen hundert Jahre oder noch viel mehr. Vielleicht werden die Menschen dann über unsere Münzen staunen, über unsere Zeitung, über unsere Worte. Vielleicht werden sie sich fragen, wie die Menschen im Jahr 2026 gelebt, gedacht und gehofft haben.

