Postkarte, die zur Konfi-Zeit einlädt

Ein Brief, ein Klingeln, ein kurzer Schnack

Natalie Lux

Willkommenskultur beginnt für die Bugenhagen-Kirchengemeinde Klein Nordende an der Haustür. Mit Briefen zu besonderen Anlässen hält sie Kontakt zu ihren Mitgliedern. Persönlich, niedrigschwellig und bewusst unaufdringlich.

Herzlichen Glückwunsch zum fünften Geburtstag – und eine dezente Einladung in die Kinderkirche. Endlich zwölf - wie wäre es mit dem Konfirmandenunterricht? Willkommen im neuen Zuhause – kommen Sie doch einmal in Ihrer Kirchengemeinde vorbei.

In der Bugenhagen-Kirchengemeinde im kleinen Ort Klein Nordende, unweit von Elmshorn, wird Willkommenskultur ganz praktisch gelebt. Ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit sind Briefe zu bestimmten Anlässen. Sie werden, wenn möglich, persönlich überbracht. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Nicole Brassat übernimmt diese Aufgabe. Sie klingelt an Haustüren, reicht Umschläge weiter, wechselt ein paar Worte. Das spart Porto, vor allem aber schafft es Begegnungen. Manchmal bleibt es beim kurzen Übergeben, manchmal entsteht ein kleiner Schnack an der Tür. Und wenn niemand öffnet, wandert das Kuvert eben in den Briefkasten. „Freudig überrascht“, beschreibt Nicole Brassat die häufigste Reaktion. Unfreundlichkeiten habe sie praktisch nie erlebt.

Der Willkommensbrief für neu Zugezogene ist der jüngste Baustein in einem wachsenden Konzept der Mitgliederkommunikation. Die Idee kam von außen. „Die Tochter eines Kirchengemeinderatsmitglieds war zum Studium nach Flensburg gezogen und hatte dort plötzlich einen Brief der Gemeinde im Kasten“, erzählt Pastor Lars Därmann. „Sie hat sich total gefreut. Und da dachten wir: Das probieren wir auch.“

Dem Schreiben lag ein kleiner Magnet bei: ein Haus mit dem Wort „Segen“. Ein Haussegen, zum Anheften etwa an den Kühlschrank. Auch die Bugenhagengemeinde bestellte solche Segensmagnete. Neubaugebiete gibt es in Klein Nordende zwar nicht, Bewegung aber schon. Menschen ziehen um, Wohnungen wechseln die Bewohner. „Einer der Angeschriebenen ist kürzlich im Gottesdienst aufgetaucht“, berichtet Därmann. Zurzeit gibt es 28 Konfirmandinnen und Konfirmanden, im Sonntagsgottesdienst kommen regelmäßig auch ohne besonderen Anlass 50 Menschen und mehr zusammen.

Ziel der Mitgliederkommunikation ist es, das Gemeindeleben lebendig zu halten und Menschen anzusprechen, die der Kirche positiv gegenüberstehen, aber oft keinen Anlass sehen, von sich aus den Kontakt zu suchen. Das wichtigste Werkzeug dabei ist das kirchliche Meldewesen-Programm Kira. Es zeigt nicht nur Namen und Adressen, sondern auch Alter, Familienstand und familiäre Zusammenhänge – selbst dann, wenn einzelne Angehörige nicht zur Kirche gehören. Gleich auf der Startseite sieht das Gemeindebüro, wenn jemand neu zugezogen ist.

Eine Lücke bleibt – wie in vielen Gemeinden – bei den 15- bis 70-Jährigen. Seniorinnen und Senioren werden ab dem 70. Geburtstag persönlich besucht. Für Menschen im mittleren Lebensalter gibt es bislang vor allem die Briefe an Zugezogene sowie Kontakte über die Angebote für Kinder. Pastor Lars Därmann kann sich vorstellen, diese Mitgliederkommunikation künftig zu erweitern. Kira ermögliche gezielte Einladungen – und könne perspektivisch auch im Fundraising helfen, Menschen passgenauer für Spenden anzusprechen. Aktuell arbeitet das Team an Glückwunschbriefen zur Geburt eines Kindes.

Der Rat des Pastors an andere Gemeinden, die bisher noch keine strukturierte Mitgliederkommunikation betreiben: „Anlässe schaffen und auf die Menschen zugehen. Heute müssen wir als Kirche für uns werben und unsere Angebote aktiv vorstellen.“

Veröffentlicht am Do. 29.01.2026