Im Mai wurde das Strategiepapier bereits den Kita-Träger:innen vorgestellt.

Strategiepapier: So sollen sich Kitas im Kirchenkreis weiterentwickeln

Natalie Lux/ Alessa Pieroth

Propst Steffen Paar stellte auf der Synode eine grundlegende Frage in den Raum: Wollen wir evangelische Kitas weiterhin bewusst als Teil kirchlicher Arbeit gestalten? Seine Antwort fiel eindeutig aus. Evangelische Trägerschaft sei unverzichtbar, weil Kitas kirchliche Orte seien, an denen Glaube gelebt werde und Kinder „mit Gott groß werden“.

Paar nahm die Synode mit hinein in eine grundsätzliche Standortbestimmung der evangelischen Kita-Arbeit im Kirchenkreis. Grundlage war die Arbeit einer Arbeitsgruppe des synodalen Kita-Ausschusses, die auf einen Auftrag der Kirchenkreissynode aus dem vergangenen Sommer zurückgeht. Ralf Gercken, Karen Möller, Norbert Lessmann, Dörte Raßmus und Steffen Paar hatten die Kita-Landschaft im Kirchenkreis analysiert und aktuelle Herausforderungen in den Blick genommen.

Nach weiteren Beratungen im Kita-Ausschuss und im Kirchenkreisrat stellte Paar die Ergebnisse nun in Form einer Präsentation vor.

Die zentrale Frage formulierte er gleich zu Beginn: „Wollen wir evangelische Kitas weiter haben – oder lassen wir es?“ Für den synodalen Kita-Ausschuss und den Kirchenkreis sei die Antwort klar. Evangelische Kitas seien ein eigener und unverzichtbarer Arbeitsbereich innerhalb der Kirche. Sie seien Orte gelebter Kirche, an denen Kinder, Familien und Mitarbeitende dem christlichen Glauben begegnen. „Da geschieht Gott“, sagte Paar. Die evangelische Trägerschaft sei deshalb „etwas Wichtiges und Unaufgebbares“.

Gleichzeitig benannte er die Herausforderungen, die die Arbeit prägen: den Zustand mancher Kita-Gebäude, die große Vielfalt der Mitarbeitenden, die Anforderungen an die Vernetzung mit Kirchengemeinden und Kommunen, den Stellenwert religionspädagogischer Arbeit in Familien und Einrichtungen sowie Fragen der Bedarfsplanung und Finanzierung.

Aus diesem Selbstverständnis und den aktuellen Herausforderungen leitete Paar vier Ziele für die zukünftige Entwicklung ab.

Ziel 1: Kitas sind verlässliche Partnerinnen für Kommunen und Familien

Paar betonte die Bedeutung einer nachvollziehbaren und frühzeitigen finanziellen Planung ebenso wie einer soliden Konzeptionsarbeit. Entscheidend sei außerdem eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Kommunen.

„Ich erlebe Träger*innen, die im guten Gespräch mit den Kommunen sind. Auf dieser Basis kann man sich auch in Zeiten knappen Geldes besser verständigen, als wenn man nur dann kommt, wenn das Gebäude marode ist oder es finanziell eng wird“, sagte Paar.

Eine verbindliche und gepflegte Kommunikation mit den Standortgemeinden sei daher unerlässlich.

Ziel 2: Christliche Bildung bleibt zentral

Ein besonderer Schwerpunkt liegt weiterhin auf der religiösen Bildung. Neben der neuen religionspädagogischen Referentin des Kirchenkreises, Madita Hansen, sieht Paar hier vor allem die Kirchengemeinden in der Verantwortung.

Wichtig sei, Fortbildungen so zu gestalten, dass sie Mitarbeitende tatsächlich erreichen und stärken. Ebenso bedeutsam seien die Vernetzung mit den Kirchengemeinden und die Begleitung der Mitarbeitenden, die in einem anspruchsvollen Arbeitsfeld tätig sind.

Ziel 3: Wandel braucht Verantwortung

Mit Blick auf die Zukunft betonte Paar, dass die gewachsene Vielfalt der Einrichtungen ein großer Schatz sei. Gleichzeitig stießen manche gewohnte Strukturen an ihre Grenzen. Bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen, sei Teil der gemeinsamen Aufgabe.

„Wir haben alle eine Challenge“, sagte Paar.

Ziel 4: Der Kirchenkreis gestaltet mit

Als konkreten Entwicklungsschritt stellte Paar die Idee einer gemeinsamen pädagogischen Fachberatung für diejenigen Kitas vor, die nicht im Kita-Werk organisiert sind. Sie könne als Ort des fachlichen Austauschs und des gemeinsamen Lernens dienen. Ein Stellenprofil liege bereits vor, mehrere Einrichtungen hätten Interesse signalisiert.

Darüber hinaus stellte Paar die Frage in den Raum, ob perspektivisch eine eigene Kita-Abteilung im Kirchlichen Verwaltungszentrum sinnvoll sein könnte.

Einige Kirchengemeinden würden ihre Kita-Trägerschaft bewusst selbst weiterführen, andere hätten sich bereits durch Geschäftsführungsmodelle entlastet. Mit Blick auf den Erhalt evangelischer Trägerschaft warb Paar dafür, das Kita-Werk als möglichen Partner zu betrachten, wenn eine Kirchengemeinde die Trägerschaft allein nicht mehr leisten könne. Auch das Kita-Werk selbst werde kontinuierlich weiterentwickelt.

Er plädierte dafür, möglichen Veränderungsprozessen offen zu begegnen: „Da merken Bürgermeister auch, dass die anderen fremden Träger nur mit Wasser kochen.“

Eine automatische Übernahme durch das Kita-Werk gebe es nicht. Zugleich bestehe kein Anlass zur Nervosität. Das Verfahren schaffe Transparenz, ermögliche Vergleiche und zeige, was evangelische Trägerschaft leisten könne.

Zum Abschluss betonten sowohl Paar als auch der Vorsitzende des synodalen Kita-Ausschusses, Ralf Gercken, dass die vorgestellte Strategie kein starres Papier sei. Vielmehr gehe es um einen gemeinsamen Weg, der kontinuierlich weitergedacht und gestaltet werden solle.

Die Kirchenkreissynode wird künftig alle zwei Jahre über den Stand der Entwicklung informiert. Nach der Sommerpause sollen zudem die Standortgemeinden informiert und in den weiteren Austausch einbezogen werden.

Die lebhafte und engagierte Diskussion in der Synode, die schließlich in die Annahme des Strategiepapiers mündete, machte deutlich, welchen Stellenwert die Kitas im Kirchenkreis haben.

Präses Beate Raudies dankte abschließend den Mitarbeitenden in den Kitas für ihre wertvolle Arbeit mit Kindern und Familien sowie für ihren wichtigen Beitrag zum kirchlichen Leben.

Veröffentlicht am Sa. 20.06.2026