Thielko Stadtland, Propst und Aufsichtsratsvorsitzender der Diakonie Rantzau-Münsterdorf, Pastorin Katharina Reinke, Erzieherin Julia Bauer, Hausleiterin Pia Büch und Thorsten Sielk, Geschäftsführer Diakonie Rantzau-Münsterdorf, beim Tag der offenen Tür im Haus St. Michaelis.

Sechs Jahre später: Tag der offenen Tür beim Trainingswohnen in ehemaligem Gemeindehaus

Alessa Pieroth

Das Trainingswohnen in Itzehoe lud Mitte April ein zum Tag der offenen Tür. Das ehemalige Gemeindehaus zu verkaufen, das heute zehn Jugendlichen ein Zuhause bietet, kostete die Kirchengemeinde St. Michaelis in Itzehoe-Wellenkamp vor sechs Jahren viel Mut. Das Ergebnis stimmt alle froh.

„Hier war früher der Gemeinde-Saal“, sagt Pastorin Katharina Reinke und deutet auf einen langen Flur, von dem fünf Zimmer abgehen. Am Anfang des Flures sind Bäder, an dessen Ende eine geräumige Küche mit Blick in den Garten. Früher wurden in dem Haus in Itzehoe-Wellenkamp Seniorennachmittage, Konfirmandenunterricht und Chorproben der Kirchengemeinde St. Michaelis veranstaltet, heute leben auf der Etage im Erdgeschoss junge Menschen, die auf ihr Leben in den eigenen vier Wänden vorbereitet werden.

Es ist Mitte April 2024. Das Trainingswohnen St. Michaelis, das die Diakonie Rantzau-Münsterdorf betreibt, hat zum Tag der offenen Tür eingeladen. Die Mitarbeitenden haben unzählige Brötchen geschmiert und alle erdenklichen Variationen von Kuchen und Muffins gebacken. Leiterin Julia Bauer führt durch das Gebäude: Sie zeigt den Gemeinschaftsraum im Keller, den ersten Stock, wo noch mal vier Bewohnerinnen leben, ein derzeit unbewohntes Zimmer und den Garten.

Heute leben in dem ehemaligen Gemeindehaus insgesamt zehn Jugendliche im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, die auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden. Darunter unbegleitete minderjährige Geflüchtete und junge Menschen, die vorher schon in betreuten Einrichtungen gelebt haben oder aus konfliktreichen Elternhäusern stammen. Der Umgang mit Behörden, Einkaufen, Kochen sind unter anderem Fähigkeiten, die die Jugendlichen hier erwerben.

Bei der Eröffnung des Hauses für Trainingswohnen vor sechs Jahren, war der Besucher*innenansturm groß. Die Kirchengemeinde hatte sich entschieden, ihr Gemeindehaus zu verkaufen. Mit dem Erlös wollte sie die ehemalige Garnisonskirche umbauen, die nach dem Wegzug der Bundeswehr zu groß geworden war. Ein mutiger Schritt für die Gemeinde. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis der Umbau tatsächlich losging und noch eine weitere Zeit, bis er abgeschlossen war. Eine Zeit, die Nerven und viel Beharrlichkeit kosteten. Über das Ergebnis sind die Gemeindemitglieder nun sehr glücklich: Zentrum für Popularmusik feiert Einweihung.

Am Tag der offenen Tür im April dieses Jahres zieht es daher nicht mehr so viele Neugierige in das Haus in der Itzehoer Sandstraße. Die Trauer von damals ist überwunden. Auch lädt das Hausteam immer wieder die Nachbarschaft zu Veranstaltungen ein. Zuletzt zu einer Osterfeier mit Ostereiersuche für die Kinder. Da war auch Pastorin Katharina Reinke mit ihren Kindern gekommen. Das Haus ist einerseits immernoch ein offener Ort für die Nachbarschaft, andererseits auch ein Schutzraum für deren Bewohner*innen, die hier ein schönes und dringend nötiges Zuhause auf Zeit gefunden haben.

Veröffentlicht am Mo 13.05.2024