von links: Laura, Lenya und Lara zusammen mit Lehrerin Sonja König, die für einen Tag zu Besuch kam.

PIA on Tour: Kita-Alltag auf Finnisch

Alessa Pieroth

Die angehende Erzieherin Lenya Röh hospitierte mit zwei Mitschülerinnen in einer finnischen Kindertagesstätte. Was sie dort über Pädagogik, digitale Medien und das Miteinander gelernt hat – und warum sich der Blick über die Landesgrenzen lohnt.

Drei Wochen lang tauschte die angehende Erzieherin Lenya Röh aus Kremperheide ihren Ausbildungsalltag gegen eine finnische Kita. Gemeinsam mit zwei Mitschülerinnen hospitierte die 22-Jährige im Rahmen des Erasmus+-Programms in der westfinnischen Stadt Seinäjoki. Die Erfahrung hat ihren Blick auf Pädagogik erweitert und gezeigt, wie wertvoll internationale Begegnungen für angehende Fachkräfte sein können.

„Als wir von dem Projekt gehört haben, war für uns sofort klar: Wenn es klappt, sind wir dabei“, erzählt Röh. Die Auszubildende besucht die praxisintegrierte Erzieherausbildung (PiA) und arbeitet in der evangelischen Kita Tegelgrund in Glückstadt.

Das Ziel der Reise stand bald fest: Seinäjoki in Finnland. Für drei Wochen arbeiteten die drei Auszubildenden in der privaten Kita „Trio“. Untergebracht waren sie in einer selbst organisierten Ferienwohnung in fußläufiger Entfernung zur Einrichtung.

Unterstützung durch Schule und Träger

Damit die Reise möglich wurde, brauchte es die Unterstützung verschiedener Seiten. Die Berufsschule begleitete die Bewerbung, das Kita-Werk Rantzau-Münsterdorf stellte Lenya Röh für die Zeit frei. So konnten Schule, Ausbildung und Auslandsaufenthalt gut miteinander verbunden werden.

Auch finanziell wurde die Reise durch Erasmus+ unterstützt. Zuschüsse für Reise- und Unterkunftskosten halfen dabei, den Aufenthalt bezahlbar zu machen.

Weniger Spielzeug, mehr Freiraum

Schon am ersten Tag bemerkten die deutschen Gäste deutliche Unterschiede zum Kita-Alltag in Deutschland.

„Die Räume wirkten zunächst sehr leer“, erinnert sich Röh. Es gab deutlich weniger Spielzeug und Materialien als in vielen deutschen Einrichtungen. Was zunächst ungewohnt erschien, erwies sich später als interessante Erfahrung. „Wir hatten den Eindruck, dass es dadurch weniger Streitigkeiten gab und die Kinder sich intensiver mit den vorhandenen Materialien beschäftigt haben.“

Dieser Eindruck passt zur finnischen Frühpädagogik. Sie setzt stark auf selbstbestimmtes Lernen, freies Spiel und bewusst gestaltete Lernumgebungen. Kinder sollen ihre Interessen entwickeln und ihre Umgebung aktiv mitgestalten.

Digitale Medien gehören dazu

Überrascht waren die Auszubildenden auch von einem anderen Detail: „Bei uns kennt man vielleicht eine Toniebox. Dort standen tatsächlich Fernseher in den Gruppen“, erzählt Röh.

Genutzt wurden sie während des Aufenthalts zwar nicht. Die finnischen Kolleg:innen erklärten jedoch, dass Medienbildung bereits im frühen Kindesalter zum Bildungsauftrag gehört. Kinder sollen digitale Medien altersgerecht kennenlernen und einen verantwortungsvollen Umgang damit entwickeln.

Viel draußen unterwegs

Das Außengelände der Kita war vergleichsweise klein. Dafür verließen die Gruppen regelmäßig die Einrichtung. Feste Ausflugstage führten die Kinder zu Spielplätzen, in andere Kitas oder in die Natur. Bewegung und Aktivitäten im Freien gehören in Finnland selbstverständlich zum Kita-Alltag – unabhängig vom Wetter.

Herzlichkeit, die in Erinnerung bleibt

Die wichtigste Erkenntnis aus Finnland hat für Lenya Röh jedoch weniger mit Konzepten als mit Menschen zu tun. „Der Umgang miteinander ist uns allen sehr positiv aufgefallen.“

Obwohl die Verständigung meist auf Englisch stattfand, erlebten die drei Auszubildenden große Offenheit. Eine Kollegin lud sie sogar zu sich nach Hause ein, zeigte ihnen die Region und kochte für sie. „Wir haben uns einfach willkommen gefühlt“, sagt Röh.

Erfahrungen weitergeben

Die Reise war nicht nur ein persönliches Abenteuer. Die Teilnehmerinnen sollen ihre Erfahrungen nun an andere Auszubildende weitergeben und das Erasmus+-Programm bekannter machen.

Für Röh steht fest, dass sich die Erfahrung gelohnt hat: „Man bekommt einen Einblick in eine andere Kultur, lernt neue Menschen kennen und sieht, wie Pädagogik in anderen Ländern gelebt wird.“

Veröffentlicht am Di. 30.06.2026