Team aus der Gemeinde St. Jakobi mit Auszeichnung ökoFair

Vom Putzschrank über LED bis Photovoltaik – St. Jakobi wird ökoFair

Natalie Lux

Bewahrung der Schöpfung ist kein Schlagwort mehr, sondern gelebter Alltag: Die Kirchengemeinde St. Jakobi in Itzehoe ist jetzt offiziell „ÖkoFaire Gemeinde“. Vom Putzschrank bis zur Heizungsanlage zeigt sich, dass Klimaschutz aus vielen kleinen Schritten Großes bewirken kann.

Ein Blick in den Putzschrank. Ganz vorne steht ein Reinigungsmittel auf Essigbasis. Der Chlorreiniger? Verschwindet demnächst. Mit solchen unscheinbaren Veränderungen hat in der Kirchengemeinde St. Jakobi in Itzehoe ein größerer Wandel begonnen.

„Nachhaltigkeit ist Gottesdienst im Alltag“, sagt Dr. Kirsten Hüttner vom Klimaschutzbüro der Nordkirche. Sie ist an diesem Tag nach Itzehoe-Tegelhörn gekommen, um die Gemeinde auszuzeichnen. Das ÖkoFair-Team Gisela und Markus Koch, Tim Harken und Pastor Dietmar Gördel nehmen die Urkunde und das quadratische Schild „ÖkoFaire Gemeinde“ entgegen. 

Der Weg dahin begann mit vielen kleinen Entscheidungen. Der Kaffee im Gemeindesaal ist fair gehandelt, ebenso Tee, Kakao und Schokolade. “Der Stromverbrauch wird jeden Monat erfasst und ausgewertet”, sagt Gemeindesekretärin Gisela Koch. Gedruckt wird auf Recyclingpapier mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“, möglichst doppelseitig. Und wer durch die Räume geht, merkt schnell: Geräte werden konsequent ausgeschaltet statt im Stand-by gelassen.

„Man muss nicht alles auf einmal umstellen“, sagt Kirsten Hüttner. „Im Gegenteil: Es ist sinnvoll, mit den einfachen Dingen anzufangen.“ Genau so hat es St. Jakobi gemacht.

Vom kleinen Schritt zur großen Wirkung

Maßnahmen, die sich schnell umsetzen lassen:

  • Recyclingpapier mit „Blauem Engel“ für Gemeindebrief und Büro
  • doppelseitiges Drucken und weniger Ausdrucke
  • Kaffee, Tee, Kakao und Kekse aus fairem Handel (teilweise auch in Discountern erhältlich)
  • Leitungswasser oder Getränke in Mehrwegflaschen statt Einweg
  • Reinigungsmittel mit Umweltzeichen statt aggressiver Chemie
  • Handseife und Hygienepapiere mit Umweltlabel
  • Mülltrennung in allen Räumen
  • Steckdosenleisten nutzen und Geräte komplett ausschalten
  • Mehrweggeschirr bei Veranstaltungen statt Einweg
  • erste vegetarische Alternativen bei Gemeindefesten
  • Glühlampen durch LED auswechseln

„Das sind Dinge, mit denen jede Gemeinde sofort anfangen kann“, sagt Hüttner. Vieles davon kostet kaum mehr, manches spart sogar Geld.

Wenn aus Gewohnheiten Projekte werden

In St. Jakobi blieb es nicht bei den einfachen Maßnahmen. Fast alle Heizkörper wurden mit Thermostaten nachgerüstet, ein hydraulischer Abgleich verbessert die Effizienz der Heizung. Auf dem Pastoratsdach von Dietmar Gördel produziert eine Photovoltaikanlage Strom. Als nächster Schritt ist eine Wärmepumpe geplant, sobald das letztmalig bestellte Öl aufgebraucht ist. 

Auch organisatorisch verändert sich etwas: Räume werden bewusster genutzt und beheizt, der Energieverbrauch regelmäßig überprüft. Für Fahrten von Gruppen wird jetzt schon ein E-Bus benutzt. 

Insgesamt erfüllt die Gemeinde 17 von 30 Kriterien, vier weitere sind in Vorbereitung. Für die Auszeichnung wären zehn ausreichend gewesen.

Realistisch bleiben – und trotzdem vorankommen

Nicht alles lässt sich sofort umstellen. Am Grillfest scheiden sich manchmal die Gemeindegeister. "Ausschließlich vegetarisches Catering anzubieten ist für sehr viele Gemeinden schwierig zu vermitteln“, sagt Hüttner. Die Itzehoer nicken - das kennen sie auch. Die Lösung: schrittweise vorgehen. Neue Speisen ausprobieren. Ein Teil des Buffets vegetarisch, anderes bleibt zunächst bestehen. Weniger Fleisch auf den Grill, dafür mal eine Tofuwurst. 

Ähnlich läuft es eigentlich in allen Bereichen, so ist die Schlussfolgerung der Gemeinde. Und dieses Vorgehen legen sie auch anderen ans Herz: Erst die Beschaffung dort umstellen, wo es einfach ist. Dann größere Investitionen planen. Erst Gewohnheiten verändern, dann Technik.

Ökofaire Strukturen im Kirchenkreis

Bereits seit Jahren sind die Elmshorner Gemeinden Nikolai und Emmaus als ökofair zertifiziert. Kurz vor der Zertifizierung stehen zudem das Kirchliche Zentrum Elmshorn und das Kirchliche Verwaltungszentrum in Itzehoe als Einrichtungen des Kirchenkreises.

 

Veröffentlicht am Di. 31.03.2026