An einem ganz normalen Tag in Horst: Vor der St.-Jürgen-Kirche stehen ein paar Fahrräder und einige Autos. Drinnen probt der Chor. Nebenan im Gemeindehaus wird überlegt, wie man die Partnerschaft weiter gestaltet. Aus der Kita dringt Gelächter. Ein paar Kilometer weiter in Krempe, Süderau oder Kiebitzreihe sieht es ähnlich aus. Jede Gemeinde hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Leute, ihre eigenen Aktionen, Gruppen und Projekte – und doch spüren alle: Die Zukunft lässt sich besser gemeinsam bauen. Zum 1. Januar 2027 die neue Kirchengemeinde „Elbmarschen Süd in Holstein“. Sechs Gemeinden gründen sich neu. Aus sechs wird eins. Sieben Kirchen, Gemeindebüros, Jugendgruppen und Musik - ab jetzt gemeinsam.
Die Realität im Blick
Die Ausgangslage ist nicht glamourös: weniger Mitglieder, weniger Geld und eine ausgewachsene Bürokratie. Statt sich davon ausbremsen zu lassen, haben die Gemeinden entschieden, die Situation als Startpunkt zu nutzen und sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Fusionsbeschlüsse werden im März in allen Kirchengemeinderäten (KGR) gefasst, positive Voten hatten alle bereits im Januar abgegeben.
Ein Zusammenschluss, der Türen öffnet
Die neue Gemeinde bedeutet vor allem: mehr Freiheit, weniger Papierkram. Ein Kirchengemeinderat statt sechs. Kürzere Wege. Weniger Doppelstrukturen. Mehr Zeit für Seelsorge, für Menschen und auch für Kreativität.
- Die 60 Konfis treffen sich längst gemeinsam.
- Pfadfindergruppen planen über Gemeindegrenzen hinweg.
- Das Pfarrteam arbeitet mit einem rotierenden Modell für Bestattungen.
- Ein Gottesdienstkonzept entsteht, das alle sieben Kirchen im Blick hat.
- Es gilt: Alle Angebote sind möglich, wenn sich genug Menschen finden, die sie gestalten möchten.
- Das Jugendkonzept wird aktuell erarbeitet.
Ein Pfarrteam, das schon längst zusammenarbeitet
Felix von Gehren‑Leweke, Geske Leweke, Miriam Pietzsch und Thomas Bruhn arbeiten bereits im Pfarrsprengel zusammen. Die Neugründung vereinfacht ihre Kooperation, da sich nicht mehr mehrere Gemeinden formal abstimmen müssen. “Wir beerdigen ein Bürokratiemonster”, sagt der Kiebitzreiher Ehrenamtliche Hans-Christian Bentzin.
Ehrenamt mit Rückenwind
Rund 200 bis 250 Ehrenamtliche sind heute schon aktiv. Mit der Neugründung bekommen sie mehr Gestaltungsspielraum – ob in der Lieblingskirche vor Ort oder übergreifend.
Zum Mitreden
Am 15. Februar fanden in allen sechs Gemeinden Versammlungen statt, bei denen Hintergründe erklärt und Fragen beantwortet wurden. Auf www.aus‑sechs‑wird‑eins.de gibt es laufend Infos zum Prozess und die Möglichkeit, sich mit Ideen und Meinungen an die Steuerungsgruppe zu wenden.

