Gruppe von Menschen vor muslimischen Grabfeldern in Itzehoe
Muslimische Grabfelder in itzehoe

Ein würdevoller letzter Abschied für Muslime

Natalie Lux

Islamische Bestattung bald auf dem Waldfriedhof in Itzehoe möglich.

Muslime im Kreis Steinburg, die einen Angehörigen verlieren, stehen vor einer schwierigen Situation. Denn Bestattungen nach den Regeln ihres Glaubens gibt es nicht vor Ort, sondern erst wieder in Hamburg. Sie können den Leichnam zwar in ihr Heimatland fliegen lassen. Doch das ist nicht nur wegen der immensen Kosten schwierig.

"Das Grab ist dann sehr weit weg", sagt die in der Türkei geborene Fitnat Soyka. Statt sich in Itzehoe versammeln und trauern zu können, müssen Angehörige tausende Kilometer reisen – schon für die Trauerfeier. "Außerdem sind viele Muslime doch hier heimisch geworden. Da, wo ihre Kinder sind, ist für sie die Heimat", führt die Itzehoerin aus. "Sie wollen hier ihre letzte Ruhe finden." Es gibt, da ist Soyka sicher, Bedarf an muslimischen Bestattungen direkt in Itzehoe.

Soyka hat daher gemeinsam mit dem Friedhofswerk Rantzau-Münsterdorf und der Itzehoer Türkisch-Islamischen Gemeinde ein Projekt initiiert: Auf dem Waldfriedhof am Sandberg in Itzehoe entsteht demnächst eine muslimische Grabstelle. Zirka 150 Frauen, Männer und Kinder können dann dort bestattet werden – ausgesegnet vom örtlichen Imam, in ein Leinentuch gewickelt und mit dem Gesicht ausgerichtet gen Osten nach Mekka. Bisher wurde die Fläche, die seit Jahrzehnten ungenutzt ist, geebnet und Rasen ausgesät.

Thomas Roßmann, Geschäftsführer des Friedhofswerks, bemüht sich gerade um die Baugenehmigung. An der zu gestaltenden Fläche soll eine Art Podest unter einem Zeltdachbau errichtet werden, wo die Aussegnungen stattfinden können. Außerdem stünde die Osterkirche am Eingang des Friedhofs grundsätzlich auch Muslimen zur Verfügung – gegen eine Nutzungsgebühr, wie sie von allen Nicht-Kirchenmitgliedern erhoben werde. "Ich freue mich, dass wir die freie Fläche so sinnvoll nutzen können", sagt Roßmann. Auf vielen Friedhöfen gibt es viel Platz wegen der hohen Anzahl an

Urnenbestattungen, die weniger Fläche verbrauchen als die Erdbestattungen. Roßmann plant, im Sommer zu eröffnen und die Fläche für die ersten muslimischen Bestattungen in Itzehoe freizugeben. Derzeit bereitet er mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde die

Nutzungsrichtlinien vor. Roßmann und Soyka sind sich einig: "Wir möchten hier einen würdevollen letzten Abschied schaffen."

 

Muslimische Bestattungen

Die muslimischen Richtlinien sehen eigentlich eine sehr schnelle Bestattung innerhalb von drei Tagen vor. Das ist hierzulande jedoch schwierig: Die hiesigen Vorschriften untersagen eine Freigabe der Leiche vor 48 Stunden. Fester Bestandteil hingegen ist die rituelle Waschung und das Totengebet. Das weiße Leinentuch, in das der Verstorbene anschließend gehüllt wird, nennt sich Kefen. Es folgt die Freisprechung des Verstorbenen, bei welcher ihm seine Sünden verziehen werden, bevor dieser dann zum Grab getragen wird.

Am Grab angekommen, soll der Verstorbene traditionell aus dem Sarg gehoben und im Leinentuch in die Erde gelegt werden. Das ist jedoch oft auf deutschen Friedhöfen nicht gestattet. Mit oder ohne Sarg, das Gesicht des Toten muss auf jeden Fall nach Osten gen Mekka zeigen. Bevor das Grab mit Erde geschlossen wird, werden Holzbretter wie ein Dach über den Leichnam gelegt. Auf dem Waldfriedhof erfolgt dies nicht vollständig, sondern teilweise.

Veröffentlicht am Mi 03.07.2019