Zweifel auf aus

Vikarin Cosima Jerominski, Nikolai-Kirchengemeinde Elmshorn

Nicht so viel zweifeln, sonst schreien noch die Steine!

Vor wenigen Wochen traf ich auf eine ungewöhnliche Postkarte. Sie zierte ein gezeichnetes Bild: ein altertümlicher Lichtschalter, der über einen Hebel funktionierte. Über dem Hebel stand: ZWEIFEL… AN, darunter: AUS. Das wär’s doch, dachte ich mir. Wenn man sich in besonderen Momenten oder zwischendurch mal für: ZWEIFEL AUS entscheiden könnte. Weg damit, es reicht für heute. Zweifel AUS. Positives AN. 

Aber was ist das Gegenteil des Zweifelns? Gottvertrauen? Jubel? Schreiende Steine? Etwas voreingenommen verknüpfe ich den Lichtschalter der Postkarte mit einer meiner Favoritenstellen des Neuen Testaments im Lukas-Ev. 19, 37-40. Die Jünger befinden sich gegen Ende ihrer Reise und Jerusalem ist in Sicht. Mit dem Blick Richtung Stadt brechen sie in Jubel über die erlebten Wunder aus. Die Zweifel auf AUS loben sie Gott. Doch dann werden die Zweifel auf AN gestellt: Die Jünger seien zu laut, zu anmaßend. 

Doch sind sie es wirklich? Es ist Jesus selbst, der den Schalter wiederum zurück auf AUS stellt: „Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.“ Alle sollen die frohe Botschaft von Gott hören – schwiegen die Menschen, müssten die Steine verkünden. So, wie das Zweifeln zum Glauben dazugehört, sollte auch das Jubeln und Lobpreisen einen Raum bekommen. 

Ich möchte dazu ermutigen, bei sich selbst mal den Zweifel-Schalter auf AUS zu stellen – was auch immer dieser Schalter gerade unterdrückt: Schalter AN fürs laute Mitsingen, fürs (Gott-)Vertrauen, für: … 

Vikarin Cosima Jerominski, Nikolai-Kirchengemeinde Elmshorn

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Veröffentlicht am Mi. 17.06.2026