Wenn ich Interesse an einem anderen Menschen gefunden habe, ihn sympathisch finde oder mich vielleicht sogar in ihn verliebt habe, dann möchte ich gerne mehr über ihn erfahren, möchte wissen, wo und wie er lebt, womit er sich beschäftigt und vieles mehr. Da gibt es viele offene Fragen.
Nicht anders ergeht es zwei Jüngern, nachdem sie auf Jesus aufmerksam geworden sind. Bevor sie ihm folgen, möchten sie sich ein Bild machen und fragen ihn: Rabbi, wo wohnst du? Sie wollen Jesus wirklich kennenlernen und damit lernen, ihn zu verstehen. Da gibt es viele offene Fragen. Das gilt nicht nur für die Beziehung des Menschen zu Gott, sondern eben auch zwischen Menschen untereinander. Solch ein wirkliches Kennenlernen braucht Zeit, es funktioniert nicht zwischen Tür und Angel.
Zur Zeit habe ich den Eindruck, dass sich immer mehr Menschen in unserem Land entfremden und sich unversöhnlich und laut gegenüberstehen. Da gibt es viele offene Fragen. Ein erster wichtiger Schritt ist es, den anderen in Ruhe zu hören, damit das Miteinander gelingen kann. Das gilt auch – glaube ich – zum Beispiel für die Beziehung der Konfessionen. Auch da gibt es viele offene Fragen. Wir stehen in der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Zeit, sich kennenzulernen, Fragen zu stellen. Sie steht unter dem Motto: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Liebe ist immer eine gute Antwort auf viele Fragen.
Pfarrer Heiko Kiehn, Katholische Pfarrei Heiliger Martin

