Bei einem Taufgespräch treffe ich auf eine Frau, die in einem Pflegedienst arbeitet. Sie hat viel zu tun, auch dort herrscht Fachkräftemangel. Aber sie arbeitet dort unglaublich gerne, die Stimmung im Team ist gut und der Beruf erfüllt sie. Sie möchte nicht wechseln. Ich bin beeindruckt und das Gespräch macht mir Hoffnung. Wenn es in den Medien um Pflege geht, dann lese und höre ich eher negative Meldungen. Dann geht es um Personalmangel und steigende Kosten, um Schwierigkeiten, die Bedürftigen angemessen unterzubringen.
Da ich nun selber Mitte sechzig bin, rückt mir das Thema auch persönlich näher. Es wäre schon schön, wenn sich jemand fachgerecht kümmert, wenn ich selber nicht mehr so kann. Die Frau aus dem Pflegedienst, mit der ich spreche, geht das schwierige Thema positiv an. Sie ist überzeugt von dem, was sie tut. Sie wirkt pragmatisch und ist zugleich idealistisch genug, um das Gute zu sehen, den Sinn, die Erfüllung, die darin liegen kann, anderen zu helfen.
Vergessen wir nicht: Es ist eindrucksvoll, was wir in unserem Land an Hilfe für Hilfsbedürftige aufgebaut haben. Jetzt kommt es darauf an, diese Kultur hochzuhalten. Meine Gesprächspartnerin schenkt mir einen klaren Blick. Übrigens auch auf den barmherzigen Samariter, der ja in der Bibel exemplarisch für echte Hilfe steht. Er hilft und tritt dann wieder in den Hintergrund. Ihn und alle, die helfen, sollten wir viel mehr hören, bestärken und zu Wort kommen lassen.
Ralf Greßmann, Pastor in Münsterdorf

