Recht und Gerechtigkeit

Axel Scholz, Pastor in der Ev.-Luth. Friedenskirchengemeinde Elmshorn

In der Kirche Jesu Christi hat das höchste Richteramt Gott selbst inne. Er richtet über uns – nicht gnadenlos, aber bedingungslos.

Öffentlichkeitsarbeit ist keine Sünde, denn niemand zündet ein Licht an und stellt es unter den Scheffel (Mt 5,15). Doch die Aufmerksamkeit, die unsere Kirche aktuell in der regionalen Presse erfährt, ist zweifelsohne eine andere, als es sich ihre Glieder wünschen.

Jeder, der sich eines Verdachts, der Verleumdung oder einer begründeten Anklage gegenübersieht, hofft auf ein gerechtes Urteil. Wo geltendes Recht gebeugt wird, muss für die Durchsetzung des Rechts eingetreten werden, auch wenn menschliches Streben nach Gerechtigkeit immer unvollkommen bleiben wird. In der Kirche Jesu Christi hat das höchste Richteramt Gott selbst inne (Ps 75,8). Er richtet über uns – nicht gnadenlos, aber bedingungslos.

Sich daran zu erinnern, ist heilsam, denn wenn Gott über uns richtet, müssen wir es untereinander nicht tun. Statt dessen erfreut sich Steinewerfen (vgl. Joh 8,7) als eine Art Breitensport im Hause Gottes großer Beliebtheit, während zugleich voller Pathos von Respekt gesprochen wird.

Eine Kirche aber, deren Funktionäre sich für alle Journalisten gut sichtbar ›Respekt‹ auf die Fahne schreiben, ist mir suspekt. Gott sieht ins Herz, nicht auf die Fahne. Im kritischen Umgang miteinander gilt für die Kirche, dass auf beiden Seiten der Anklagebank die eben gleichen Menschen sitzen (Hebr 4,12-13): Menschen, an die das Wort Gottes ergangen ist wie ein zweischneidiges Schwert und die nun dastehen vor dem Richterstuhl Gottes, nackt und bloß, erkannt bis in den Abgrund ihrer Seele, darauf hoffend, dass Christus für sie eintritt.

Axel Scholz, Pastor in der Ev.-Luth. Friedenskirchengemeinde Elmshorn

Veröffentlicht am Fr. 25.02.2022