Erntedank

Pastor Sven Voss, Kirchengemeinde Kellinghusen

Erntedank heißt auch, zu erkennen, dass letztlich alles von Gott herkommt und ihn für die anstehende Zeit um seinen Beistand zu bitten.

Erinnern Sie sich an diese Augenblicke als Sie klein waren? Wenn Verwandte und Bekannte Ihnen (damals noch) einen „Heiermann“ zusteckten und schon in derselben Sekunde jemand rief: „Wie heißt das?“ Als Kind war mir klar, dass darauf ein „Danke“ folgen muss. Allerdings bildete ich mir dadurch ein, dass es die Aufgabe besagter Verwandter sei, stets etwas zu geben.

Weit gefehlt. Und ich glaube, ich konnte dadurch oft genug gar nicht schätzen, was ich erhalten habe. So ist das wohl, wenn eigentlich Besonderes zum Selbstverständlichen wird. Mit dem Erntedankfest ging es mir lange Zeit ähnlich. Erst als ich vor einigen Jahren aus der Stadt zog, wandelte sich auch mein Blick. Denn plötzlich bekamen die Menschen, die tagtäglich dafür sorgen, dass die Milchregale und Brotauslagen gut gefüllt sind, konkrete Gesichter und Geschichten, mit Träumen und aktuell auch vielen Sorgen.

Und es öffnete mir die Augen, dass nichts von dem selbstverständlich ist, was wir alltäglich kaufen und zu uns nehmen. Erntedank bedeutet daher für mich, bewusst „Danke“ zu sagen an die Menschen, die bei Wind und Wetter hart dafür arbeiten, dass wir versorgt sind und die Augen auch vor ihren Sorgen und Ängsten nicht zu verschließen. Erntedank heißt aber auch, zu erkennen, dass letztlich alles von Gott herkommt und ihn für die anstehende Zeit um seinen Beistand zu bitten. Ich glaube, das können wir aktuell gut gebrauchen.

 

Ihr Pastor Sven Voß Ev.-Luth. Kirchengemeinde Kellinghusen

Veröffentlicht am Fr. 30.09.2022