Die Wellen sind immer noch da, sagt der Junge neben mir. Gerade hatte er einen Stein genommen und vor uns ins Wasser geschmissen. Auf dem See breiten sich die kleinen Wellen aus und legen sich wie Kreise um die Stelle, wo der Stein verschwunden war. Das sind gute Wellen, sagt er. Er greift einen weiteren Stein und wirft ihn flach zum See hin. Der Stein hüpft zweimal über das Wasser, bevor er versinkt. Der Junge lacht. Die Wasseroberfläche tanzt nun vor lauter Wellenkreisen.
Worte und Taten sind wie Steine, die Menschen in das Wasser der Zeit werfen. Alles zieht Kreise und hat Folgen. Und manche Welle ist immer noch da. Da erinnert sich die Frau noch im hohen Alter an die Worte ihres Vaters: Als Junge wärst Du mir lieber gewesen. Das tut bis heute weh. Der junge Geflüchtete aus Syrien erzählt von der ersten Begegnung hier. Ein Mann hatte ihm die Hand gegeben und gesagt: Ich helfe Dir! Ich schaue mein Leben an. Da haben Worte und Taten von Anderen Kreise gezogen. Und manche Welle ist immer noch da. Auch die von Gott.
Pfingsten erinnert an den Heiligen Geist, die unsichtbare Kraft Gottes. Als Kirche haben wir diese Welle nicht immer gut weitergegeben. Doch sie zieht Kreise. Und Menschen trauen der Liebe. Tun das Gute. Geben Gott ihr Gesicht. Bauen an einer anderen Zukunft.
Der Junge reißt mich aus meinen Gedanken. Komm, Du musst auch gute Wellen machen, sagt er. Ich schmunzle: Ob er weiß, wie recht er hat?
Lust aufs Leben und frohe Pfingsten wünscht Ihnen Ihr Propst Steffen Paar aus Itzehoe

