Tanz des Lebens

Andreas Christian Kosbab, Pastor in Kremperheide

Eine Szene nach einer Trauerfeier: Ein Tanz, der für das Leben steht. Eine Szene, die etwas Österliches hat.

Vielleicht haben Sie in den letzten Tagen im Internet auch die berührenden Bilder gesehen: Nach der Trauerfeier für die französische Lehrerin Agnès Lassalle, die Anfang März während des Unterrichts von einem ihrer Schüler ermordet worden war, wird ihr Sarg noch einmal für eine Weile vor der Kirche aufgestellt.

Anfangs ist alles unauffällig, normal. Doch dann erklingt Musik. Der Lebensgefährte der Toten beginnt zu der Musik vor dem Sarg zu tanzen, als lebte seine Partnerin noch. Die beiden hatten das Tanzen geliebt. Sein Tanz wird zu einer Geste des Abschieds. Zugleich veranschaulicht er die innige Vertrautheit, die die beiden miteinander geteilt hatten. Zunächst tanzt der Mann eine Weile allein, bis dann nach kurzer Zeit andere Trauergäste beginnen, mitzutanzen.

Es ist für mich zunächst für einen Augenblick befremdlich, das zu sehen. Aber dann berührt mich die Beschwingtheit des Mannes, und ich bekomme eine Ahnung von der Liebe und der innigen Verbindung der beiden. Es ist klar, dass der Tanz die geliebte Partnerin nicht zurückbringen wird. Aber das, was die Beziehung der beiden ausmachte, überdauert den Tod – und genau das wird sichtbar. Es bleibt und wirkt weiter! Es gibt etwas, das stärker ist als der Tod, und das sind Glaube, Hoffnung und vor allem: die Liebe. Die mittanzenden Gäste machen deutlich, dass sie das auch spüren, und sie verbinden sich mit dem Mann in seiner Trauer und in seinem Trotz, seinem Aufstand gegen den Tod.

Mit einem Male wird mir klar: Diese Szene hat etwas Österliches. Der Tanz steht für das Leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus hat an Ostern den Tod bezwungen, ihm seine Endgültigkeit genommen und das Tor zum ewigen Leben aufgestoßen, aus Liebe zu uns Menschen. Warum sich diese Bewegung nicht als Tanz vorstellen und Jesus als „Herrn des Tanzes“/„Lord Of The Dance“, wie es ein schönes (und beschwingtes) geistliches Lied aus England sagt? Und wir alle sind eingeladen, mitzutanzen und so Zeichen zu setzen für das Leben, die Hoffnung und die Liebe. Schon (und gerade!) in diesem Leben. Möge der Tanz beginnen! Ich wünsche Ihnen allen beschwingte, freudvolle und gesegnete Ostern!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Pastor Andreas Christian Kosbab, Ev. - Luth. St. Johannes-Kirchengemeinde in Kremperheide

Veröffentlicht am So. 09.04.2023