Den Karfreitag aushalten

Pastorin Antje Stümke, Kirchengemeinde Barmstedt

Wir freuen uns auf das lange Wochenende oder den Osterurlaub und hoffen auf sonniges Wetter beim Eiersuchen im Garten. Doch Ostern beginnt erst am Sonntag, und der morgige Tag ist alles andere als schön.

„Schöne Ostertage!“ – So wünschen wir es uns heute im Büro, an der Kasse im Supermarkt oder unter Nachbarn. Wir freuen uns auf das lange Wochenende oder den Osterurlaub und hoffen auf sonniges Wetter beim Eiersuchen im Garten. Doch Ostern beginnt erst am Sonntag, und der morgige Tag ist alles andere als schön.

Karfreitag.

Ein sperriger Tag, der nicht zu Frühlingsgefühlen und Ferienstimmung passen will. Karfreitag ist ein dunkler Tag, der Leiden und Sterben Jesu am Kreuz zum Inhalt hat. Und darum ein unbeliebter Tag, über dessen Thema wir gern hinwegsehen. – Allerdings steht der Karfreitag nicht allein da. Sondern unsere Welt scheint ein permanenter Karfreitag der Gewalt, der Kriege und Krisen zu sein. Es ist so furchtbar, dass wir die Nachrichten manchmal gar nicht mehr einschalten. So grauenvoll, dass wir das Leiden anderer nicht aushalten können. So erschütternd, dass wir Augen und Ohren schließen.

Gott aber hat Augen und Ohren offen gehalten. Gott hat Klagen und Weinen der Menschen gehört und ihre Schmerzen und Ängste gesehen. Gott hat die Gewalt ausgehalten, mit der Menschen einander das Leben zur Hölle machen.

In Jesus hat Gott selbst mit uns und für uns gelitten. In Jesus hat er sich hingegeben in Liebe. Diese Liebe ist stärker als der Tod, sie überwindet den Tod. Der Karfreitag ist nicht das Ende der Geschichte Gottes mit den Menschen. Der Karfreitag zeigt die Solidarität Gottes mit allen, die auch an „schönen Ostertagen“ nicht feiern, sondern frieren.

Der Karfreitag steht dafür ein, dass wir einen Gott haben, der uns sieht. Einen Gott, der Tränen trocknet und tröstet. Einen Gott, der uns aus unheilvollen Strukturen erlöst. Einen Gott, der Schuld vergibt und zu Frieden und Versöhnung befreit. Denn aus der Liebe, die sich ganz hingibt für uns Menschen, wachsen Glaube und Hoffnung und neues Leben. Davon wird an dieser Stelle in zwei Tagen erzählt werden.

Ihre Pastorin Antje Stümke, Kirchengemeinde Barmstedt

Veröffentlicht am Mi. 05.04.2023