Wo fängt Gewalt an?

Pastorin Maren Schlotfeldt, Evangelisches Frauenwerk

„Mein Schatz, ab jetzt haben wir nur noch uns zwei.“ Ein schöner Satz, oder? Dieser Satz kann eine Liebeserklärung sein. Der Satz kann hindeuten auf eine Vereinnahmung der Partnerin oder des Partners.

Vor kurzem sprach ich mit jungen Frauen aus dem Regionalbildungszentrum in Itzehoe, die zu Arzthelferinnen ausgebildet werden, über Gewalt in Beziehungen. Gewalt fängt schon viel früher an als körperliches Schlagen. Gewalt geschieht, wenn ein Mensch über den oder die andere verfügen will, wenn er oder sie den anderen demütigt. Gewalt geschieht immer dann, wenn ein vermeintlich Stärkerer Macht ausüben will über den oder die andere und ihn oder sie dabei seelisch und körperlich schädigt.

Wie kann Menschen geholfen werden, die Gewalt erleiden? Wichtig für Betroffene scheint mir zu sein, dass Menschen, denen sie sich anvertrauen, zuhören, die Andeutungen ernst nehmen, behutsam nachfragen. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein als Nachbar, bei der Arbeit, wenn jemand sich immer mehr zurückzieht. Lieber einmal mehr nachfragen oder lauten Geräuschen nachgehen als gar nichts tun. Sich auf die Seite der Betroffenen stellen und Gewaltstrukturen aufzudecken helfen.

In der Bibel geschieht viel Gewalt, die Menschen einander antun. Und auch Gott wird von denen, die die biblischen Texte aufgeschrieben haben, in vielen Geschichten als eine Macht beschrieben, die Gewalt ausübt. Der christliche Gott ist ein Gott, der verschiedene Seiten zeigt. Er ist auch ein Gott, der wie eine Mutter tröstet, der sich auf die Seite derer stellt, die Gewalt erleiden, der Gewalt und Unrecht verurteilt. Jesus Christus, der als Gottes Sohn zu uns Menschen in die Welt gekommen ist, zeigt Gott als jemanden, der am Kreuz mitleidet. Und doch erscheint Gott weit weg, wenn ein Mensch Gewalt erleidet. Menschen sind es, die Betroffenen zur Seite stehen müssen. Und vielleicht ist Gott mit am Wirken, wenn Betroffene den Mut und die Kraft finden, zu sprechen. Und wenn Täter den Mut finden, über ihr Verhalten nachzudenken.

Pastorin Maren Schlotfeldt, Evangelisches Frauenwerk

Veröffentlicht am Fr. 01.02.2019