Wie politisch darf Kirche sein?

Pastor Sven Voß, Kirchengemeinde Kellinghusen

Die Frage, wie politisch Kirche eigentlich sein darf, ist seit jeher eine Streitfrage.

Den einen geht ihr Engagement manches Mal nicht weit genug, während andere die stete Forderung bemühen, sie solle sich auf ihre „Kernaufgaben“ beschränken. Derweil stehen wir fassungslos vor der Tatsache, dass in unserem Land mit seiner besonderen Geschichte hinter verschlossenen Türen erneut über die Deportation unzähliger Mitmenschen phantasiert wird. Ermutigend ist es da, zu sehen, wie viele Menschen diesem Wahnwitz in den aktuellen Tagen ein entschiedenes Signal entgegensetzen; darunter auch vielfach Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen.

An einer Stelle der Bibel heißt es, Gottes Wort sei schärfer als jedes Schwert. Was zunächst martialisch klingen mag, bedeutet vielmehr, dass seine Botschaft von Hoffnung, Liebe und Vergebung da entschlossen ansetzt, wo Hass und Gewalt herrschen und ihnen ein Ende macht. So gesehen ist Gottes Wort niemals unpolitisch, denn es will einen Unterschied machen, ein Ende mit Ungerechtigkeit und die Menschen stark machen, die leiden, trauern und verzweifeln. Natürlich müssen auch wir als Kirche uns immer wieder daran messen und hinterfragen lassen, sowie lernen. Aber klar ist: Wo Kirche ist, da ist kein Platz für Hass und Gewalt. Aber ein großer Raum, um davon zu träumen, dass diese Welt tatsächlich eine Bessere sein kann. Und diese Hoffnung ist zu schön und tröstlich, als dass wir von über sie schweigen dürften.

Pastor Sven Voß, Kirchengemeinde Kellinghusen

Veröffentlicht am Fr. 02.02.2024