Welches Kreuz?

Propst Steffen Paar aus Itzehoe

Kreuze auf Gräbern, Kreuze auf dem Wandkalender, Straßenkreuzungen ... Wofür steht welches Kreuz? Und welche Fragen werfen sie auf?

An meinen ersten Besuch in der Itzehoer Stadtkirche erinnere ich mich gut. Staunend blickte ich auf das große Kreuz, das dort von der Decke herunterhängt. Ich dachte: „Wow!“ und „Wenn das mal nicht herunterkommt!“

Kreuze auf Gräbern stehen für das Ende eines Lebens. Als Jesus am Kreuz stirbt, geht für seine Mutter und Freunde eine Welt. Ich denke an das, was ich schon habe loslassen müssen: Menschen, geplatzte Träume und das Gefühl von Sinn. Trauer und Schmerz brauchen Zeit und Raum. Nicht immer erlaube ich mir das. Warum eigentlich?

Kreuze finden sich auf meinem Wandkalender. Sie markieren das, was ich nicht vergessen darf. Am Kreuz hing Jesus wie ein Fenster zu Gott. Er wurde umgebracht, weil er die religiösen Gesetze und Hierarchien hinterfragt hatte. Das Kreuz markiert die Kraft seiner Liebe, von Gottes Liebe. Wie ängstlich und angepasst bin ich da oft. Warum eigentlich?

Ich fahre über Kreuzungen. Sie verbinden Wege miteinander. So wie die beiden Balken eines Kreuzes Himmel und Erde und links und rechts verbinden. Jesus handelte mit dem Blick zu Gott und zu den Menschen, mit einem klaren Standpunkt und weitem Herzen zugleich. Ich jedoch verliere im Alltag ganz schnell Himmel und Mitmenschen aus dem Blick. Warum eigentlich?

Mein Kreuz tut manchmal weh. Und es lässt mich aufrecht gehen. Jesus sagt einmal: „Nimm dein Kreuz auf dich und komm und folge mir nach!“ Warum eigentlich nicht?

 

Einen guten Karfreitag und Segen für Ihren Weg wünscht Ihnen Ihr Propst Steffen Paar aus Itzehoe

Veröffentlicht am Mi. 27.03.2024