Es musss schnell gehen. Von wegen besinnlicher Weihnachtszeit! Der Tag ist durchgeplant und das Essen muss auf den Tisch. Wo ist bloß das Salz? Ungeduldiges Suchen. Da passierte es: Die Zimtpackung fällt herunter. Und weil sie nicht richtig zu war, ergießt sich Zimt wie ein Fluss auf die Arbeitsplatte. Schöne Bescherung! Zimtduft erfüllt schlagartig die Küche.
Ich atme tief ein. Wie besonders und warm das riecht! Ich schließe die Augen und meine Gedanken gehen auf Reise. Ich denke an meine Großmutter in der blauen Schürze. Als kleiner Junge war ich oft bei ihr in der kleinen Küche. Und wenn es schon an der Türe nach Zimt roch, wusste ich, dass sie wieder Plätzchen backt. Und zuerst immer die Zimtsterne, damit sie bis Weihnachten weich werden konnten.
Ich öffne die Augen und blicke auf den kleinen Zimtberg vor mir und schmunzle. Für mich ist Erinnerung ein Weg zur Besinnung und zu Weihnachten: Erinnerung an meine Kindheit, an Geschichten und Begegnungen. Die Erinnerung geht noch weiter, denn das Schreckliche dieser Welt und in einem Menschenleben hört ja durch Weihnachten nicht einfach auf.
Weihnachten erinnert an den Anfang. Den Anfang Gottes auf Erden mit der Geburt von Jesus Christus. Den Anfang des Guten in unscheinbaren Dingen. Den Anfang von Veränderung in ersten Schritten. Welche Kraft liegt im Anfangen! Diese Erinnerung ist kein Weglaufen, sondern ein Anpacken der Zukunft. In dieser Bewegung Gottes haben Sie und ich einen Ort und eine Aufgabe. Manchmal hilft bei der Erinnerung daran sogar ein kleiner Zimtberg.
Gesegnete und duftende Weihnachten wünscht Ihnen Ihr Propst Steffen Paar aus Itzehoe

