Was ist, wenn wir Nein sagen

Anneliese Brandes, Pastorin und Religionslehrerin an der Beruflichen Schule Elmshorn

Wenn ein Mensch den Mut aufbringt zu einem solchen Ja – trotz aller Bedenken –, dann kann wirklich Großes geschehen.

Ein bisschen ist noch Weihnachten bei uns. Der Tannenbaum musste inzwischen zwar seinen Platz räumen, aber es finden sich noch Wichtel im Haus, Sterne an den Fenstern und auch an der Krippe gehe ich noch jeden Tag vorbei. Auch in manchen meiner Schulklassen holen wir die Weihnachtsgeschichte im Januar noch mal hervor. Sie ist eigentlich viel zu lang, um sie auf einmal zu lesen. Manchmal haben wir es vor Weihnachten nur bis zum Engel geschafft, der Maria und Josef die Geburt ihres Sohnes ankündigt, denn was die beiden da erleben, wirft eine Menge Fragen auf. In diesem Jahr besonders wichtig war diese: „Was wäre gewesen, wenn Maria Nein gesagt hätte?“

Was ist, wenn wir Nein sagen, wenn Gott etwas mit uns vor hat? Geht das überhaupt? Die vielen Geschichten über widerspenstige Propheten im Alten Testament und die Überzeugungs- und Überredungsversuche von Gott und seinen Engeln lassen ahnen, dass sich diese Frage schon sehr lange stellt. 

Auch Marias Engel arbeitet geduldig, aber doch recht bestimmt auf ihre Zustimmung hin. Dabei könnte ich es gut verstehen, wenn sie weglaufen würde wie Jona oder „Ich bin doch noch viel zu jung“ einwenden würde wie Jeremia. Und ich weiß nicht, was dann passiert wäre.

Gott hat manchmal Großes vor mit uns Menschen. Und der Weg, den Gott mit uns dafür geht, ist manchmal auch ein etwas längerer, eben weil wir frei sind Ja zu sagen oder Nein. Aber wenn ein Mensch den Mut aufbringt zu einem solchen Ja – trotz aller Bedenken –, dann kann wirklich Großes geschehen: Dann kann Gott sogar Mensch werden.

Anneliese Brandes, Pastorin im KKRM/Religionslehrerin an der Beruflichen Schule Elmshorn

Veröffentlicht am Mi. 22.01.2025