Was ist dieser Heilige Geist?

Mona Rieg, Pastorin im Klinikum Itzehoe

Ach, manchmal wäre das doch wirklich schön, wenn mal irgendwas beim Alten bliebe. Zum Beispiel ein Ofen, der mir nicht vorschreibt, dass ich nur Unter- und Oberhitze gleichzeitig nutzen kann, wenn ich nur eines davon brauche ...

... oder Radwege, die nach der neuen Pflasterung noch hoppeliger sind, als es die alten waren.

Sie wissen, was ich meine? Man muss doch nicht immer alles verbessern wollen – und damit oft genug verschlimmbessern! Allerdings… dass Computer heute normal sind, es Waschmaschinen gibt, Fotoapparat, Wecker, Unterhaltung und Internet immer verfügbar sind, das ist schon auch schön. Die Einschätzungen wechseln sich ab. Manches ist gut, wenn es bleibt, anderes wird anders und hoffentlich besser.

Vor einigen Jahren bin ich in Österreich auf dem „Weg des Buches“ gepilgert (eine Bibel-Schmuggel-Route) und fand an einer Wallfahrtskirche ein Warnschild: „Achtung! Wenn Sie wollen, dass alles beim Alten bleibt…“ Der Rest war klein geschrieben, das konnte ich erst beim Näherkommen lesen: „…beten Sie nicht zum Heiligen Geist!“ Und dann dachte ich darüber nach, wo ich in meinem Glauben in Altem feststecke. Das Festhalten an so vielen Traditionen, „weil es schon immer so war“ – was ist sinnvoll? Was dient dem Glauben und dem Wesen von Kirche? Wo lohnt es sich, neue Wege zu gehen? Kindliche Gottesvorstellungen abzulegen und im Glauben erwachsen zu werden? Neues zu wagen und Liebgewonnenes aufzugeben? Der Heilige Geist – der ist in beidem. In Altem, das bleibt und in Neuem, das wird. Seit Anbeginn der Zeit ist er da und schafft ständig Neues.

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes – aber was ist dieser Heilige Geist? Das Johannesevangelium nennt ihn Geist Gottes, einen Fürsprecher und Beistand. Er wird den Menschen zur Seite gestellt, als sie Abschied von Jesus Christus nehmen. Tröster ist er. Gottes Geist schenkt Anfänge und geht Abschiede mit. Er ist die Kraft, die es uns möglich macht zu leben und beseelt zu sein. Der Heilige Geist ist Lebensbegleiter, er ist "Gott bei uns". Und eben auch Anschubser, um neue Perspektiven einzunehmen und behutsam auf Altes und Neues zu schauen. Und dann ist es gut, wenn manches bleibt und anders wird anders und hoffentlich besser.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Pfingsttage!

Mona Rieg, Pastorin im Klinikum Itzehoe

Veröffentlicht am Mi. 15.05.2024