„Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“. Mit diesen Worten beginnt die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Die Klage, das Jammern wird in unserer Gesellschaft wenig geschätzt. Bewundert werden die Tapferen, die ihr Los schweigend tragen oder energisch dagegen angehen. Dabei hat die Klage eine ganz eigene Kraft. Wer klagt, der ist nicht still und gibt sich nicht
zufrieden. Daher ist in der Klage schon eine verändernde Kraft angelegt. Es ist daher kein Zufall, dass die meisten Klagepsalmen in der Bibel mit einem Gotteslob enden. So sicher ist man sich, dass auch Gott diese haltlose Situation nicht lange wird ertragen können. „Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ So stellt
Gott Kain, den Brudermörder, zur Rede. All das Blut, all das Unrecht schreit zum Himmel. Es ist ein einziger großer Klageschrei. Und Gott hört den Schrei. Davon legen die Geschichten der Bibel immer wieder Zeugnis ab. Gott überlässt seine Erde nicht den Mächten des Todes. Der in Kiew geborene russische Dissident Lew Kopelew drückt es in seiner Rede anlässlich des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1981 so aus: „Die Friedensbotschaft der Bergpredigt, die Liebe selbst zu den hassenden Feinden verkündet, erklang zuerst nur für wenige Hörer….. Seitdem erreicht diese Botschaft hunderte Millionen Menschen aller Kontinente… und kein Kriegsplan, keine Hasspredigt konnten sie übertönen.“
Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel, St. Nikolai Elmshorn
