„Dafür nicht“ oder „da nich` für“ antworten die Norddeutschen gern auf einen Dank. Als wäre das Geleistete doch selbstverständlich. Oder als bräuchte es den Dank nicht.
Diesen Sonntag feiern viele Kirchengemeinden Erntedank. Christen danken Gott für alles, was er uns zum Leben schenkt. Für Kürbis und Karotte. Für die Luft zum Atmen und die Beziehungen, die mich halten.
Ich grüble nach und frage mich: Bin ich dankbar? Dank bleibt einem manchmal auch im Halse stecken. Und Dank ist nicht immer laut. Er wird leicht übertönt von dröhnenden Stimmen, von wieder laut werdenden Parolen und der Haltung: „Ich habe ein Recht darauf. Das steht mir ja wohl zu.“
Ich trete einen Schritt zurück und versuche zu erkennen, was mir wirklich geschenkt ist. Versuche wahrzunehmen, was nicht selbstverständlich ist. Menschen, die mutig widersprechen, wenn Unrecht geschieht. Erfahrungen, die mich trotzig machen und mir Kraft schenken, Neues zu wagen. Ich werde sogar dankbar für die Wut auf das, was nicht so bleiben darf. Denn sie kann mich in Bewegung setzen, bevor ich erstarre.
Wenn ich anfange genau wahrzunehmen, verändert sich die Welt um mich herum. Und auch ich selbst verändere mich. In diesen Momenten wird das Staunen geboren, aus dem der Dank entsteht. „Danke, Gott“, flüstere ich leise. Und es ist, als würde er mir mit einem Augenzwinkern in mein Herz sprechen: „Dafür nicht“.

