Vertrauen lernen

Thomas Schollas, Pastor für Gemeinde- und Personalentwicklung im Kirchenkreis Rantzau- Münsterdorf

Am letzten Tag des Jahres blicken wir zurück und nach vorn. Beglückende Erlebnisse und schmerzhafte Ereignisse kommen in den Blick.

Erfahrungen im nahen familiären Umfeld und Entwicklungen in der Weltpolitik. Als Christ*innen kann uns der Glaube helfen, dass Gott gemeinsam mit uns die Welt zum Besseren verwandeln wird. Es ist ein Glaube, der sich ständig an der Wirklichkeit reibt, der angefochten ist durch Krankheiten und Todesfälle oder durch die Klimakatastrophe, die zahlreichen Kriege, durch die vielen ertrunkenen Menschen im Mittelmeer.

Fundamentalistisch Glaubende aller Religionen suchen Spannungen zu entkommen, indem sie die Welt in gut und böse, richtig und falsch, schwarz und weiß aufspalten. Die Folgen begegnen uns in Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Hass bei uns und weltweit.

In der biblischen Jahreslosung für 2020 ruft ein um sein krankes Kind bangender Vater Jesus, von dem er sich Heilung erwartet, zu:  „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Darin scheint das Spektrum auf zwischen Glaubensgewissheit und Zweifel, in dem wir als Glaubende in unserer komplexen Welt stehen. Die Jahreslosung vermittelt uns, dass wir in den Spannungen des Glaubens nicht allein sind: „Hilf meinem Unglauben“ öffnet einen Raum für Gottes heilende Gegenwart inmitten der Polaritäten des Lebens. Wir dürfen alle hoffen, dass wir mit unserem Zweifeln und Ringen gehört werden. So können wir darauf vertrauen, dass auch im neuen Jahr, entgegen vieler Zeichen, Gottes Welt des Friedens und der Gerechtigkeit kommt.

Thomas Schollas, Pastor für Gemeinde- und Personalentwicklung im Kirchenkreis Rantzau- Münsterdorf

Veröffentlicht am Di. 31.12.2019