Sundays for Future

Pastor Axel Scholz, Friedenskirchengemeinde Elmshorn

Sie haben Recht. All die Schülerinnen, Schüler, Studierenden, Auszubildende und mittlerweile auch ihre Eltern und Großeltern, sie haben Recht mit der einfachen wie radikalen Wahrheit: »There is no Planet B«.

Es gibt keine Alternative zu unserem Planeten. Zerstören wir ihn, zerstören wir uns und unsere Kinder - und leider Gottes, wir tun es schon seit Generationen. Doch jetzt, vier vor zwölf, scheint weltweit eine Einsicht Raum zu greifen, die die Kraft hat, wirklich etwas zu verändern. Immer mehr Menschen begreifen: Jetzt oder nie.

Die weltweite Protestbewegung tut gut. Sie macht Mut und gibt Hoffnung, obwohl die mahnenden Finger auch auf mich und meine Generation zeigen. Auch ich bin mitverantwortlich für das Plastik in den Meeren. Als Konsument einer Industrienation vermag ich nicht, gänzlich aus dem weltweiten kapitalistisches Netzwerk von Angebot und Nachfrage auszusteigen. Das wissen auch die Demonstranten. Doch ihre Verantwortung lähmt sie nicht, sondern beflügelt sie. Die Einsicht, dass mein Tun in der Vergangenheit ebenso Folgen hat wie mein Lassen in Zukunft Folgen haben wird, markiert den Wendepunkt.

Unterstützung bekommt die junge Protestbewegung aus einer Richtung, aus der sie es vermutlich nicht erwarten würde: aus der Bibel. Dass der Mensch Verantwortung hat für die Welt, von und mit der er lebt, steht schon im Schöpfungsbericht des Alten Testaments. Und wenn Christus im Neuen Testament (Mt 25,40) spricht: »Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan«, dann kann man sich diesen Satz aufschreiben, an das Garagentor kleben und sich jedes Mal fragen: Fahrrad oder Auto? Seit 2000 Jahren ist die Bewahrung der Schöpfung Teil des Evangeliums, das Sonntag für Sonntag in den christlichen Kirchen verkündigt wird. Seit 2000 Jahren demonstriert die christliche Protestbewegung »Sundays for future« in ihren Gottesdiensten für das Leben. Wie sähe die Welt aus, wenn alle Christen ab morgen täten, woran sie glauben? Ich liebe diesen Gedanken. Er beflügelt mich und macht Mut, nicht nachzulassen mit den Protesten, ob freitags oder sonntags, auf den Straßen oder in den Kirchen: Everyday for future!

Ihr Pastor Axel Scholz, Friedenskirchengemeinde Elmshorn

Veröffentlicht am Fr. 06.12.2019