Bei 4, weil nur in einem kleinen Kreis gefeiert werden kann und Oma und Opa auf keinen Fall gefährdet werden sollen? Bei 1, weil Sie wegen der Ansteckungsgefahr alleine den Heiligen Abend verbringen? Bei 6, weil es zumindest eine kurze Zeit möglich ist, auszuruhen nach dem übermenschlichen Einsatz in der Pflege oder als Kassiererin? Bei 7, weil Sie es sich auch in einem kleinen Kreis gemütlich machen können? Bei 2, weil Sie sich sorgen um ihren Arbeitsplatz?
Die Stimmung der Hirten auf den Feldern in der biblischen Weihnachtsgeschichte war eher düster. Sie hatten zum Leben nur das Nötigste und lebten am Rand der Gesellschaft. „Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren“ (Lukas 2, 10.11) hören sie plötzlich die Botschaft in der Nacht, in der Jesus geboren wird. Sollte etwa Gott in ihr Leben kommen und ihnen in ihrer Unsicherheit Halt und Hoffnung geben? Um dieser Sehnsucht nachzugehen, machen Sie sich auf den Weg. Sie finden ein neugeborenes Kind. Sie erinnern sich an alte Verheißungen: Gott hat versprochen, einen Gesandten auf die Erde zu schicken, damit die Menschen Gott in ihrer Nähe haben. Gott hat als Stellvertreter für sich ein Kind in die Welt kommen lassen, weil mit einem neuen Leben ein Neuanfang und neue Hoffnung verbunden sind. Das spüren die Hirten. Sie erleben als Neuanfang, dass sie als „kleine Leute“ die ersten sind, die das Jesuskind sehen, noch vor den drei Weisen. Sie kehren in ihren harten Alltag zurück, aber fühlen sich von Gott wichtig genommen und spüren, dass Gott in allem Mühseligen nahe ist.
„Wie die Hirten sich mitten im Leben anrühren lassen vom Klang der Ewigkeit", heißt es in einem Gedicht von Pierre Stutz. Wäre es nicht für das eigene Leben lohnend, einer Sehnsucht nach Halt nachzugehen und sich mit etwas Höherem, das stärker ist als die eigenen Kräfte, zu verbinden? Wäre es nicht verlockend, sich wie die Hirten, auf den Weg zu machen, um zu schauen, ob das alte Versprechen von Gott auch für einen persönlich gilt. Ob Gott auch im eigenen Leben wirken will und in der Nähe ist in allen Ängsten und Sorgen, in Trauer und Einsamkeit, in der Überlastung und auch in einer Gemeinschaft und in aller Gemütlichkeit? Vielleicht kann ein im Internet angebotener Gottesdienst helfen, um auf den Weg zu Gott zu finden. „Wie die Hirten sich zwischen Vertrauen und Zukunftsangst Sternstunden schenken lassen“ (Pierre Stutz) Könnte sich mit diesem Geschenk die Stimmungsskala für den Heiligen Abend um ein oder zwei Punkte erhöhen?
Pastorin Maren Schlotfeldt, Frauenwerk im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf

