In diesen Tagen wird an vielen Orten Erntedank gefeiert. Mit Umzügen, Erntefesten und Gottesdiensten. Das erste Mal nach der Coronazeit wieder „richtig Erntedank“. Ich weiß: Es ist gut, die Perspektive bewusst zu wechseln und nicht nur darin zu sehen, was einem gerade Sorgen macht.
Das ist Erntedank jedes Jahr so, aber in diesem Jahr kommt es mir besonders schwierig vor. Da ist die Landwirtschaft, die vielfach mit dem Rücken zur Wand steht. Da sind die Sorgen, die viele von uns beschäftigen. Zurecht beschäftigen! Wie soll ich meine Heizrechnung bezahlen? Den Strom? Wie geht das weiter in der Ukraine? Und was ist mit dem Klima? Viele Sorgen, da fällt das Danken nicht so leicht.
Man muss sich schon wirklich Ruhe nehmen und bemühen, um zu sehen, wofür man auch jetzt dankbar sein kann. Denn natürlich gibt es auch in dieser schwierigen Zeit so viel, für das ich danken möchte. Meine Familie zum Beispiel. Dass es uns trotz allem immer noch verhältnismäßig gut geht. Wer auf der Welt würde nicht gerne mit uns tauschen? Ich bin auch dankbar für die Menschen, die jetzt in Russland auf die Straße gehen und gegen den Krieg demonstrieren. Das ist in einer Diktatur unwahrscheinlich mutig.
Wäre ich auch so mutig? Ich hoffe es natürlich, aber sicher bin ich nicht und wenn ich ehrlich bin: dann wahrscheinlich nicht. Umso mehr bin ich dankbar für Menschen, die ihren Mut haben und für Frieden demonstrieren. Das gilt übrigens auch für die Frauen im Iran. Deshalb: danke Gott, dass du Menschen so viel Mut gibst. Und Danke für alles, was mir im Leben geschenkt wird. Trotz aller Sorgen.
Ihr Pastor Jens Siebmann, Wewelsfleth und Beidenfleth

