Doch das, was wir am meisten vermissen, ist weiterhin nicht möglich: Nähe! Wir dürfen einander nicht zu nahe kommen. Abstand bleibt das oberste Gebot.
Was macht das mit uns Menschen? Wir sind doch soziale Wesen und nicht zur Vereinzelung geschaffen. Abstand macht einsam. Das haben besonders leidvoll all diejenigen erfahren, die in Seniorenheimen und Krankenhäusern wochenlang keinen Besuch empfangen durften. Für die Angehörigen war das Besuchsverbot ebenfalls kaum auszuhalten.
Auch hier gibt es inzwischen Lockerungen, wie überall jedoch nur unter strengen Auflagen. Dennoch atmen wir erstmal auf und freuen uns über jede Möglichkeit, einander zu treffen. Die bleibenden Einschränkungen zeigen aber zugleich, dass wir noch viel Geduld und einen sehr langen Atem brauchen werden.
In dieser Gefühlslage stehen wir zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – wie der morgige Sonntag, der mit lateinischem Namen Exaudi heißt: „Gott, höre meine Stimme, wenn ich rufe!“ Wer so betet, befindet sich in einer Krise, deren Ausgang ungewiss ist. Wer so betet, ist angespannt, ängstlich oder verzweifelt. Aber wer so betet, hofft weiterhin auf Gottes Hilfe.
Himmelfahrt bedeutet, dass Jesus nicht mehr unmittelbar bei uns ist, weshalb sich die ersten Jünger einsam und verlassen fühlten. Pfingsten aber feiern die Christen das Geschenk von Gottes bleibender Nähe und Zuwendung. Das Geschenk des Heiligen Geistes, der uns Kraft und Hoffnung, Trost und Freude schenkt – auch jetzt!
Ihre Pastorin Antje Stümke

