Leitgedanken

Andreas Christian Kosbab, Pastor der Ev.-Luth. St. Johannes-Kirchengemeinde

Die folgenden Worte schrieb der Apostel Paulus vor fast 2000 Jahren an die christliche Gemeinde in Rom.

„Die Liebe soll echt sein, nicht geheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet euch unbeirrbar an das Gute. Lasst im Umgang miteinander Herzlichkeit und geschwisterliche Liebe zum Ausdruck kommen. Übertrefft euch gegenseitig darin, einander Achtung zu erweisen. Lasst in eurem Eifer nicht nach, sondern lasst das Feuer des Heiligen Geistes in euch immer stärker werden. Dient Gott. Freut euch über die Hoffnung, die ihr habt. Wenn Nöte kommen, haltet durch. Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen. Helft denen, die sich in einer Notlage befinden; lasst sie mit ihrer Not nicht allein. Macht es euch zur Aufgabe, gastfreundlich zu sein. Segnet die, die euch verfolgen; segnet sie, verflucht sie nicht. Freut euch mit denen, die sich freuen; weint mit denen, die weinen. Lasst euch im Umgang miteinander davon bestimmen, dass ihr ein gemeinsames Ziel habt. Seid nicht überheblich, sondern sucht die Gemeinschaft mit denen, die unscheinbar und unbedeutend sind. Haltet euch nicht selbst für klug.“ (Rö 12, 9-16 NGU)

Liebe Leserinnen und Leser, diese Worte schrieb der Apostel Paulus vor fast 2000 Jahren an die christliche Gemeinde in Rom. Ich habe diesen Worten inhaltlich nichts hinzuzufügen. Sie stehen für sich. Warum ich sie hier zitiere? Weil ich der Meinung bin, dass sie als Ermahnung, aber vor allem als Ermutigung sehr gut in unsere Zeit und die gegenwärtige Lage passen. Im Miteinander und im gegenseitigen Umgang ist eine zunehmende Lieblosigkeit spürbar. Und immer mehr Gegeneinander als Miteinander. Immer mehr Sprachlosigkeit und Misstrauen. Und eine hohe Gereiztheit, oft schon Feindseligkeit.

Paulus gibt den Christen in Rom Leitgedanken an die Hand für ein gutes Miteinander. Zwar hat er hier vor allem die christliche Gemeinde im Blick, aber ich denke, dass seine Worte auch für das Zusammenleben der Menschen insgesamt passen. Zumal wir Christen nach Gottes Wunsch in guter Weise für das Gemeinwesen und das Umfeld, in dem wir leben, tätig sein sollen. „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sollen seine Leute sein, sagt Jesus. Wir sind durch ihn aufgerufen, Mitmenschlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe in die Gesellschaft einzubringen.

Wir alle haben das nötig. Unsere Gesellschaft hat das nötig. Wenn jeder etwas dazu beiträgt und den Blick für den Mitmenschen wie für das Ganze behält, dann ist schon viel gewonnen. Nichts ist schädlicher für unser Zusammenleben, als wenn wir uns voneinander entfremden, uns voneinander abkapseln (und damit meine ich nicht die Abstandsregeln!) und uns gegeneinander ausspielen lassen. Dabei hilft es, unentwegt zu beten, so wie es Paulus ja auch sagt, und sich von Gott Ideen sowie Kraft und Ausdauer zu erbitten. Denn es ist ein Marathon, kein Sprint. Aber es ist es wert. Zu Beginn eines Jahres, in dem die Herausforderungen der Pandemie nach wie vor enorm sind und in dem eine ganze Reihe wichtiger Wahlen anstehen, erst recht.

Gesegneten Sonntag, bleiben Sie behütet und bewahrt!

Pastor Andreas Christian Kosbab, Ev. - Luth. St. Johannes-Kirchengemeinde

Veröffentlicht am Sa. 16.01.2021