Lebens-Lied

Pastorin Karin Johannigmann, Emmaus-Kirchengemeinde Elmshorn

Der morgige Sonntag wird „Kantate“ genannt, das heißt „Singt!“. Mir ist dazu eine Begegnung eingefallen, die mich sehr bewegt hat:

Vor einiger Zeit habe ich im Krankenhaus eine Frau besucht, die ich aus einem Seniorenkreis kannte. Die Angehörigen hatten mir gesagt, dass sie im Sterben liege. Ich wollte sie gern noch einmal sehen und Abschied nehmen, auch wenn sie wohl schon nicht mehr ansprechbar wäre.

Und dann sitze ich also an ihrem Bett und denke an unsere Begegnungen zurück: An ihre lebendige Art, sich an den Gesprächen zu beteiligen und an ihren Humor. Sie hat oft erzählt, wie gern sie früher im Chor gesungen hat. Auch bei unseren Treffen war für sie das Singen immer das Wichtigste. Damit das gut klappte, kümmerte sie sich um unsere Liederbücher und flickte sie liebevoll, wenn einzelne Seiten herausfielen. Bei jedem unserer Treffen haben wir am Anfang das „Danke“-Lied gesungen. Ihr Lieblingslied.

Leise beginne ich nun dieses Lied zu summen und dann singe ich ihr einfach vor. Da bewegt sich auf einmal ihre Hand und scheint meine zu suchen. Ich nehme vorsichtig ihre Hand und singe weiter: „Danke für jedes kleine Glück, danke für alles Frohe, Helle und für die Musik.“ Besonders in diesem Krankenhauszimmer spüre ich eine große Dankbarkeit für die Musik, denn die Musik hat noch einmal eine Verbindung zwischen uns geschaffen, die bloße Worte nicht mehr schaffen konnten. Und die Musik hat tatsächlich etwas Frohes und Helles in diesen Raum gebracht.

Ich bleibe noch etwas still sitzen, singe zum Abschied noch einmal, spreche einen Segen und verlasse das Krankenzimmer. Danke, Gott, für alles Frohe, Helle und für die Musik!

Pastorin Karin Johannigmann, Emmaus-Kirchengemeinde Elmshorn

Veröffentlicht am Mi. 24.04.2024