Dieser Sonntag heißt: „JUBILATE!“ Das heißt übersetzt: „Lasst uns jubeln!“ Mir fallen direkt eine Menge Sachen ein, über die ich ganz und gar nicht jubeln kann. Ich vermute, da sind die meisten von Ihnen ganz bei mir. Und dann gibt es etwas, was mich wirklich richtig motiviert: Wenn Menschen angesichts von Krisen und Kriegen der Grammatik der Aggression und des Todes nicht folgen, sondern ihre lebensbejahenden Utopien entgegensetzen, ganz nach dem Motto: „Wir sind Utopia!“
Kürzlich bin ich über eine solche Haltung gestolpert. Da haben Leute sich überlegt, was der Wiederaufbau der Ukraine kosten wird. Mein Enkelsohn Paul und ich haben uns darüber ausgetauscht. Er sagte ganz erstaunt: „Wie kann man denn so etwas denken und berechnen, wenn dieser Krieg noch gar nicht beendet ist? Die kämpfen doch immer noch gegeneinander!“ Natürlich hat er recht. Doch mir gefällt an dieser Utopie, dass Menschen es wagen, dem Nichten des Nichts, der Vernichtung von Leben und Heimat, das ganz Andere entgegenzudenken: Ein Zuhause, eine Heimat aufbauen. Bedingungen in den Blick nehmen, die das Leben miteinander meinen.
Der Predigttext für diesen Sonntag steht im 2. Korintherbrief im 4. Kapitel. Der Theologe Paulus lässt sich nicht unterkriegen, trotz des Leides, das er in dieser Welt sieht und ihn quält. In seiner Sprachwelt formuliert klingt das dann so: „Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern das Unsichtbare, auf das, was ewig ist.“ Ewigkeit, Unsichtbarkeit und etwas, was Paulus „etwas über alle Maßen herrliches“ nennt und das er als ein tief religiöser Mensch in seinem Geist schon vor sich sieht. Er ist tief verbunden mit dem lebensspendenden Gott, der diese prächtige Schöpfung ins Leben gerufen hat. Und das ist für mich ein Grund zum Jubeln: Gott will uns und diese Erde segnen, sie erneuern und uns heilen von der Dynamik der Zerstörung. Dieser göttlichen Kraft traut es Paulus zu, die Gewalt und Tödliches zu überwinden. Und so ist es ein Grund zum Jubeln, wenn Menschen sich mit dem Wiederaufbau gedanklich beschäftigen, obwohl der Krieg noch tobt.
Pastorin Sylvia Zwierlein

