Kommt und seht!

Pastorin Alisa Mühlfried, Evangelisch-Lutherische Gemeinde Wilster im Pfarrsprengel Wilstermarsch

Dank mutiger Menschen sehen wir Hoffnung am Horizont, einen Lichtschein inmitten der Dunkelheit.

„Kommt und seht“ so lautet der biblische Monatsspruch für den Januar. Da frage ich mich doch: was sollen wir sehen? Angesichts der schlimmen Nachrichten, wie den steigenden Coronazahlen, dank derer immer mehr verschoben, vertröstet und gewartet werden muss oder den Amoklauf in Heidelberg und zahlreiche andere Schlagzeilen, die uns in fetten Buchstaben die hässliche Seite der Menschheit zeigen. Da kann man doch nur Schwarz sehen, oder nicht?

„Kommt und seht“ spricht Jesus zu uns und gibt uns einen Fingerzeig, direkt in die schwarze Wolkenwand, die in unseren Köpfen ist. Und tatsächlich: Wenn ich nochmal genau hinsehe, sehe ich über 100 MitarbeiterInnen der katholischen Kirche, die diese Woche ihre Stimme erhoben und sich als nicht-heterosexuell geoutet haben. Ich sehe ein buntes Kreuz voller Gesichter im Fernsehen. Ich sehe eine Kirche, die bunt und offen sein will, statt schambehaftet und diskriminierend und mein Herz schlägt für meine Schwestern und Brüder.

Dank solch mutiger Menschen sehen wir Hoffnung am Horizont, einen Lichtschein inmitten der Dunkelheit. Wird sich nun alles ändern? Werden die schlechten Nachrichten aufhören? Wahrscheinlich nicht, aber es sind diese bunten Lichtblicke, die vorantreiben und etwas ändern wollen. Nicht nur „uns“ als evangelische und katholische Kirche, sondern auch uns als Gesellschaft. Wir sehen zwischen den schwarzen Wolken einen Regenbogen, ein Symbol für Hoffnung, Vielfalt und Offenheit inmitten der schlechten Nachrichten.

Ihre Pastorin Alisa Mühlfried, Wilster

Veröffentlicht am Fr. 28.01.2022