In der Zwickmühle

Gabi Schinkel, Pastorin in Glückstadt und Borsfleth

Hormus auf - Hormus zu, Ölpreis rauf - Ölpreis runter, Waffenstillstand - erneute Kampfhandlungen, und wir müssen hilflos zusehen, wie Lebensgrundlagen zerstört werden. Die Welt in der Zwickmühle.

Als Kind habe ich mit meinem Opa oft Mühle gespielt. Obwohl er meistens gewann und sich diebisch freute, wenn er mich in eine Zwickmühle locken konnte. Mühle auf- Mühle zu, und ich musste ohnmächtig zusehen, wie mir ein Spielstein nach dem anderen genommen wurde. 

Hormus auf- Hormus zu, Ölpreis rauf- Ölpreis runter, Waffenstillstand- erneute Kampfhandlungen, und wir müssen hilflos zusehen, wie Lebensgrundlagen zerstört werden. Die Welt in der Zwickmühle.

Kraft und Liebe, Hoffnung und Mut - das bräuchten wir in diesen Zeiten. Und das haben wir in Glückstadt in der Osternacht den Menschen zugesprochen. Und ihnen mit duftendem Öl ein Kreuz in die Handfläche gezeichnet. Damit dieser Segen unter die Haut geht.

In Erinnerung an die drei Frauen am Ostermorgen, die einen Toten salben wollten und dem Lebenden in die Arme liefen. Für ihn brauchten sie das kostbare Öl nicht mehr. Aber haben es vielleicht an andere weitergegeben, deren Lebensmut unter unverrückbaren Felsen begraben war. Als Duft der Hoffnung, als Balsam für geschundene Seelen.

Den wir noch heute verschenken können an alle, die auf(er)stehen und aufbrechen wollen. An die Mutigen, die sich auf den Straßen einsetzen für Frieden und Demokratie. An die Familien in den Kriegsgebieten. An die jungen Menschen, die freitags für ihre Zukunft kämpfen.

Zu Ostern ist die Welt eine andere geworden. Haben das Leben und die Liebe gesiegt. Damit wir unseren Zwickmühlen entkommen. 

Ihre Gabriele Schinkel

Pastorin in Glückstadt und Borsfleth

 

Veröffentlicht am Sa. 25.04.2026