Im Sturm

Gabriele Schinkel, Pastorin in Glückstadt

Am Meer kann sich das Wetter schnell ändern.

An einem Tag ist die See ruhig und friedlich. Nicht ein Lüftchen rührt sich. Nur Stille und Weite. Es glitzert auf dem Wasser, als hätte jemand einen Beutel mit Diamanten verschüttet. Wir fühlen uns eingeladen zum Baden und zum Segeln, zu einem Leben mit weitem Horizont. Schon am nächsten Tag kann das Meer sein anderes Gesicht zeigen. Wenn es bedrohlich aufgewühlt wird durch einen heftigen Sturm. Die Sandkörner brennen im Gesicht wie Nadelstiche. Gegen den Wind anzugehen, ist kaum möglich.

Einen solch heftigen Sturm erleben eines Tages die Freunde Jesu auf dem See Genezareth. Während sie gefühlt um ihr Leben kämpfen, schläft Jesus, scheinbar unberührt vom Toben um ihn her. Erst als sie ihn wachrütteln, greift er ein und ruft in den Lärm: „Schweig und verstumme!“ Sofort legt sich der Sturm, und es wird ruhig. Eine Ruhe wie ganz selten nur. Außen, und dann auch innen.

Unser Leben gleicht einer Reise über das Meer. Es gibt Zeiten, in denen wir schnell in ruhigem Fahrwasser dahingleiten. Alles gelingt, wir haben wenig Mühe, sind glücklich. Und dann erleben wir, wie Stürme uns in Bedrängnis bringen, wir nicht mehr über unseren Kurs bestimmen können, unter Umständen sogar kentern. Wenn wir da einen treffen könnten, der spräche: Schweig und verstumme. Wie anders meine Welt aussehen könnte. Und alles, was mich treibt und beunruhigt. Die Jünger haben ihre Angst Jesus vor die Füße geworfen. Wir können das auch. Und erleben hoffentlich: Eine Ruhe wie ganz selten nur. Außen, und dann auch innen.

Gesegnete Zeiten am Meer.

Ihre Pastorin Gabriele Schinkel

Veröffentlicht am Mi 05.06.2024