Roter Teppich für Jesus: Als er auf einem Esel in die Hauptstadt Jerusalem einzieht, breiten die Menschen begeistert Palmzweige und Kleider vor ihm aus. "Hosianna! Gelobet sei der da kommt im Namen des Herrn! Der König von Israel!" Endlich würde Gott durch ihn die Römer vertreiben und alles gut werden!
Aber Jubel und Enttäuschung können dicht beieinander sein! Nur fünf Tage liegen zwischen dem „Hosianna!“-Jubel und den „Kreuzige!“-Rufen. Seine Verhaftung wirkte wie ein Schock! Jesus erfüllte all das nicht, was sich die Menschen von ihm ausgemalt hatten. Jesus der Verlierer, der Schwächling! Wie kläglich stand diese Figur jetzt da: mit einem provisorischen Königsmantel lächerlich gemacht, mit einer Dornenkrone auf dem Kopf und bespuckt von den Soldaten. „Weg mit ihm! Kreuzige ihn! Lass lieber den Mörder Barrabas frei!" schreit die Menge.
Wie oft beurteilen und verurteilen wir Menschen? Wir sehen auf Erfolg oder Misserfolg, bewerten Qualitäten und Fehler, beurteilen nach unseren Erwartungen und Enttäuschungen. Da kann es im Freundeskreis, bei der Arbeit, in der Politik schnell von Daumen-hoch nach Daumen-runter umschlagen.
Jesus leidet unter dem, wie wir Menschen miteinander umgehen. Er durchleidet es an seiner eigenen Person. Er versuchte nicht, durch Widerrede oder Machterweise dagegenzuhalten. Er will unser Herz von innen heraus gewinnen. Mit seinem Leben steht er dafür ein, dass uns Liebe und Barmherzigkeit regieren sollen.
Es ist herausfordernd, in diesen Weg mitzugehen, wo doch rund um den Globus Macht und Stärke regieren. Umso wichtiger, dass wir es in unserer überschaubaren Alltagswelt anders machen: Nicht vorschnell mit „Hosianna – Kreuzige ihn!“ urteilen, sondern das nachleben, was Jesus uns vorgelebt hat: Liebe.
Dirk Fanslau, Pastor der Ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf

