Holy moment – Heiliger Moment  

Pastor Jörg Henke, Vertretungspastor in Hohenlockstedt

Neulich in einer fremden Gemeinde bei einem Sonntagsgottesdienst.

Neulich als ich in einer fremden Gemeinde im Sonntagsgottesdienst saß, war es ein besonderer Moment. Vor Beginn des eigentlichen Gottesdienstes gingen viele an den schmiedeeisernen Lichterbaum und zündeten eine Kerze an. Manche verharrten dort einen Augenblick, die meisten gingen aber sogleich zu ihrem Platz auf einem der Kirchenstühle. Nun zog es mich auch dahin, aber der Blick zur Uhr hielt mich zurück. Während der routiniert gehaltenen Predigt wurde ich nicht bewegt. Schnelle Worte, wenig Punkte, an denen ich mit meiner Existenz andocken konnte. Aber ich entdeckte in der wellenförmigen Kirchendecke Lichtschlitze nach oben. Das fand ich tröstlich. 

Als wir zum Abendmahl nach vorne in den Altarraum eingeladen wurden, fühlte ich eine Verbundenheit. Stehend hier im Kreis mit den mir eigentlich fremden Menschen. Licht von oben fällt auf uns, so meine Gedanken. Und dann war es soweit. Die Oblate in den Kelch tauchend – „­Christi Blut, für dich vergossen“ – und essend, das ging tief. Menschen, denen ich etwas schuldig geblieben bin, Worte, die ich bereute – das sei dir jetzt vergeben. Holy moment, heiliger Moment würde ich sagen. Erleichtert und dankbar ging ich mit den anderen zum Platz zurück.

Subjektiv habe ich erzählt, weil das meines Erachtens Erfahrungen mit dem Heiligen, mit Gott sind, die wir in der Kirche erwarten dürfen. Bleiben wir offen dafür und dafür, dass es ein Licht von oben gibt. Dass wir nicht von der Erde allein, sondern vom Himmel her gehalten werden. Dass Gott auch in schwierigen Zeiten für uns da ist, Zufluchtspunkt ist und Hoffnung bleibt.

Pastor Jörg Henke, Vertretungspastor in Hohenlockstedt

Veröffentlicht am Fr. 16.02.2024