Die prächtige Erntekrone hängt noch im Altarraum, ihre blau-weiß-roten Bänder ergänzen das Muster der unterschiedlichen Ähren von Gerste, Hafer, Roggen und Weizen. Bunte Kürbisse, Äpfel, Pflaumen und allerlei Gemüse aus den Gärten lagen darunter und verströmten diesen besonderen Duft von Erntedank. Dazu durften wir, erstmals ohne Maske wieder singen: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“
Wer selbst einen Garten hat, der konnte dieses Wachsen und Gedeihen auch in diesem Jahr mitverfolgen. Jeder konnte die Verwüstungen im Ahrtal und die Zerstörung von Ackerland in den Nachrichten miterleben. Bilder von hungernden Kindern haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt. Wir wissen: weltweit hungern 811 Millionen Menschen. Fast 40 Prozent der Weltbevölkerung können sich keine gesunde Ernährung leisten. Corona und Klimawandel haben diese Zahlen ansteigen lassen. Gleichzeitig schmeißen wir in Deutschland jährlich 13 Millionen Tonnen Nahrung in den Müll. Allein in Privathaushalten werden mehr als 80kg Lebensmittel pro Person weggeworfen.
Bundespräsident Walter Steinmeier rief am Anfang der Woche zu Spenden für die Welthungerhilfe auf: Für ein Leben ohne Hunger – für ein Leben in Würde. Der heutige Welternährungstag steht unter dem Motto „Unser Handeln ist unsere Zukunft“. Zahlreiche Menschen sind inzwischen als Lebensmittelretter*innen aktiv, geben bei den Tafeln Nahrungsmittel aus oder engagieren sich in ihrer Region beim sogenannte foodsharing gegen Lebensmittelverschwendung.
Das Teilen von Brot steht seit jeher symbolisch für Gemeinschaft – Gemeinschaft mit anderen Menschen und mit Gott. In dem Erntedanklied von Matthias Claudius sind die Feldfrüchte und das Brot die Hülle in der Gottes Segen „gar zart und künstlich“ eingewickelt ist und durch unsere Hände geht. Lassen wir uns ihn schmecken und miteinander teilen. Eine gesegnete Mahlzeit!
Jens Haverland, Ökumenepastor im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf

