Die Pläne von Rechtsradikalen, Menschen ausländischer Herkunft im großen Stil zu vertreiben, haben viele Menschen in unserem Land aufgerüttelt. Offenkundig wurde, dass es diesen Kreisen um weit mehr geht, als um eine harte Haltung in der Zuwanderung: Millionen von Menschen sollen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft entrechtet und deportiert werden. Die Vertreibungsphantasien der Rechtsextremisten – beschönigend „Remigration“ genannt – sind ein frontaler Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung in unserem Land. In der letzten Woche gab es in bereits in vielen Städten große Demonstrationen, an diesem Samstag wird in Elmshorn und Glückstadt zu Demonstrationen aufgerufen, Anfang Februar in Hohenlockstedt und Itzehoe.
Gerade auch als Repräsentant unserer Kirche unterstütze ich das eindeutige Bekenntnis zu einer offenen, demokratischen Gesellschaft bei diesen Kundgebungen. Dass wir auch über politische Unterschiede hinweg zusammenstehen, ist mir dabei besonders wichtig. Deshalb gefällt mir die verkürzende Formulierung „gegen Rechts“ nicht. Hier geht es nicht um links oder rechts, sondern darum, dass wir aus der Mitte der Gesellschaft heraus aufstehen. Ob nun links, liberal, konservativ oder rechts – ich möchte auf niemanden verzichten, der oder die sich gegen ein rassistisches Menschenbild und die Diktatursehnsucht einer Minderheit stellt. Ich bin überzeugt: Gerade diese Einheit macht uns stark. Und deshalb lade ich Sie alle ein, zusammen zu stehen für eine offene, tolerante und demokratische Gesellschaft.
Ihr Stefan Egenberger, Pastor in Glückstadt und Neuenkirchen

